Jazzthing, 4/2005, Wolf Kampmann
Böse Prinzessin Kleine Jungs wären gern Cowboy, Polizist oder Astronaut, kleine Mädchen Friseurin oder Prinzessin. Als Erwachsene geben sie diese Träume nicht mehr zu, doch tief im Innern bleiben sie, was sie als Kind zu sein begehrten. Wenn die amerikano-schweizerische Sängerin Erika Stucky ihr neues Album "Princess" nennt, verkleidet sie sich nicht wie zum Karneval, sondern gewährt dem Hörer einen tiefen Einblick in die Welt ihrer Sehnsüchte und Ängste. Erika Stucky ist eine Akrobatin, die mit Gegensätzen jongliert. Mit einem sicheren Gefühl fürs Antipodische arbeitet sie aus jedem Zustand, jedem Gegenstand, jeder Idee den größtmöglichen Kontrast heraus, um die Gegensätze sogleich wieder auf ihren gemeinsamen Kern zurückzuführen. Sie wählt zuweilen den weitesten Umweg und ist doch vor allen anderen am Ziel. Bekannte Popsongs vermag sie zu sezieren und auf eine Weise neu zusammenzusetzen, dass sie eine völlig neue, auf den ersten Blick oft erschreckende Identität annehmen. In Wirklichkeit dringt sie nur viel tiefer in den Kern dieser Songs vor, als gewöhnliche Interpreten dies wagen würden. ...
Jazzzeitung 5/2005
Erika Stucky ist eine Meisterin der Dekonstruktion; sie untersucht das Material, das sie vorfindet, seziert und zerlegt es, isoliert musikalische Klischees und kulturelle Codes, macht aus schlichten Liedern synkretistische Opern. Pathos und Ironie sind ihre Mittel; bei ihr gerät alles ins Rutschen, Gleiten, Schillern. Wenn sie Michael Jacksons Bad, Queens Killer Queen oder gar Elvis Presleys Jailhouse Rock, in den Arrangements sehr abgespeckt und doch kein Widerspruch! pompös (die Tubas!) vorträgt, dann weiß man nie so recht: ist es Entzauberung, rückhaltlose Verehrung für die Kings, wie sie sie nennt, oder ein komplexer Exorzismus. Bei all den vertrackten Performances, die sie mit vergangenen Größen anstellt, darf man aber nicht übersehen, dass Stucky auch eine hervorragende Autorin in eigener Sache ist (Fearless, Untouchable, Domina), die durch ein schönes Versehen auch mal in die Charts rutschen könnte.
Stereoplay, 8/2005
Erika Stucky hat das Prädikat "Original" verdient. Die in Kalifornien geborene wilde Seele mit Schweizer Familienanschluss setzt sich auf ihrem dritten Album zwischen alle Stil-Stühle. Jazz? Nein, melodische Strukturen stehen stark im Vordergrund. Pop? Nein, zu vertrackt sind Rhythmen und Instrumentierung. Avantgarde? Aber nein, dafür hat Miss Stucky zu viel Spaß bei ihrem Tun. Mit ihrem mal exaltierten, mal schmeichelnden Gesang, mit Elektronik, Akkordeon und einer ganzen Armada von Bläsern meuchelt sie Pop/Rock/Soul-Klassiker von Elvis, Michael Jackson, Prince oder Nirvana, zwischen die sie hübsches eigenes Liedgut schmuggelt. Und die blitzsaubere, fabelhaft räumlich gestaffelte Aufnahme (Stefan Benkö und Knut Jensen in Wien) versetzt den CD-Hörer quasi in die erste Reihe eines Konzertsaals. M. Inhoffen
Produktbeschreibungen
PRINCESS