Lieber gut geklaut als schlecht ausgedacht...!
Der Betteljunge, der zum Prinzen wird, erinnert an Aladdin; die scharfzüngige Prinzessin an Leia, wenn sie sich mit Han Solo verbale Duelle lieferte; die Filmmusik könnte aus Lawrence von Arabien stammen....
Die Figuren sind eben keine facettenreichen Charaktere, sondern repräsentieren einfach bestimmte Charakterzüge: der gewitzte Händler und Dieb; der jugendliche Held; die schöne, mutige (emanzipierte) Prinzessin; der verschlagene Verschwörer, der ruchlose Mörder usw., ist eben in jedem Märchen so.
Am faszinierendsten fand ich die üppige Bilderflut, so stellt man sich als Kind den Orient und 1001 Nacht vor!
Die warmen, rotgoldenen Farben, die Wüstendünen mit ihrer Wellenzeichnung, die mächtigen Paläste, die prachtvollen Kostüme, die wunderschönen Pferde...Ich konnte mich an den Bildern kaum sattsehen!
Die Choreographie war 1a, die vielen Verfolgungsjagden, die Kämpfe mit und ohne Waffe (und ohne viel Blutvergießen) waren so perfekt inszeniert, dass man seinen Augen kaum trauen konnte. Oft fühlte ich mich an meinen heißgeliebten Musketierfilm (von Richard Lester) erinnert, der in meinen Augen heute noch unübertroffen ist, was die rasanten und witzigen Kampfszenen angeht!
Die Filmmusik ähnelte der von Lawrence von Arabien, aber bei der wundervollen Wüstenlandschaft war das wohl legitim.
Die Tricks waren in Ordnung, aber ich fand, dass sie nicht unnötig im Vordergrund standen.
Und dann war auch Humor vorhanden, der Held knallt mal bei seine Sprüngen auf den Rücken, die Prinzessin fährt ihm über den Mund, der schmierige Händler wird wunderbar von Alfred Molina dargestellt.
Spoiler
Das Liebespaar wurde schauspielerisch nicht unbedingt gefordert, Gyllenhaals Dackelblick sagte dauernd " Wer möchte mich kleines Streunerhündchen adoptieren?" und Artertons dominante Oberlippe erinnerte etwas an die von Liv Tyler, glücklicherweise musste Gemma aber nicht so tranig agieren wie jene Elfe in Herr der Ringe, sondern durfte öfter mal zur Waffe greifen.
Natürlich war von Anfang an klar, dass der von Kingsley gespielte Onkel der üble Verschwörer ist, bei dieser Synchronstimme und dem Augenmakeup! Aber was solls, ich wollte wissen, wie alles zu dem erwartungsgemäß guten Ende führt, und da sind Zeitreisen immer zu gebrauchen, um Unrecht wieder gut zu machen (siehe Harry Potter 3)
Fazit:
Ab und zu ist diese Art von Popcornkino schön zum Entspannen, diesen Film kann man getrost mit seinen älteren Kindern (ca. 10 Jahre) gucken, ohne viel dabei nachdenken zu müssen. Insgesamt nette Unterhaltung, von Regisseur Mike Newell souverän inszeniert.