Anders als in Cecil B. deMille´s berühmtem Monumentalschinken "Die Zehn Gebote" mit Charlton Heston, wurde bei "Der Prinz von Ägypten" das Hauptaugenmerk auf die Beziehung der beiden ungleichen Brüder Ramses und Moses verschoben. Dabei herausgekommen ist ein visuell beeindruckender, für Zeichentrick äußerst ernster, und unglaublich berührender und emotionaler Film. Die Musik, die man auf dieser Scheibe exzellent präsentiert bekommt, ist nicht zuletzt Grund dafür, dass dieser Film unter die Haut geht. Beim starken Eröffnungssong "Deliver us" überschneidet sich die schmerzvolle Hoffnungslosigkeit der hebräischen Sklaven mit dem Versuch von Moses´ Mutter Yocheved, ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen, indem sie sich von ihm trennen muss. Ein absoluter Gänsehaut-Garant. Die leider viel zu früh verstorbene Ofra Haza leiht Yocheved ihre unverwechselbare Stimme (sie tat dies in fast alen Sprachen, in denen der Film synchronisiert worden ist!). Ihr orientalisches Flair findet auch in einigen der Instrumentaltracks Einfluss. "Playing with the Big Boys" ist eindeutig als Komik-Einlage gedacht. Obwohl der Song eindeutig hinter den anderen ansteht, zeigen Steve Martin und Martin Short als die beiden Priester ihr Talent, und einen wichtigen Aspekt für die Story bietet der Song trotz allem: nämlich dass die Magie der Priester mit Gottes echten Wundern nicht zu vergleichende Effekthascherei ist. Einer der genialsten Songs findet sich in "The Plagues". Dabei werden die 10 biblischen Plagen in eine bedrohliche Montage verwandelt, bei dem der Chor stakkato-mäßig Gottes Zorn vorträgt, der über Ägypten kommt, während über all dem der gesungene Konflikt der beiden Brüder stattfindet (Ralph Fiennes, die englische Stimme von Ramses, hat hier selbst gesungen!). Gegen Ende des Albums findet sich ein letzer Ohrwurm im hoffnungsvollen "When you believe", bei dem auch Michelle Pfeiffer (englische Stimme von Moses´ Frau Zipporah) einen kurzen Gesangauftritt hat. Bei diesem Song kommt ein niedlicher hebräischer Kinderchor zum Einsatz, der sich schließlich zu einer gewaltigen Klimax hochschaukelt. Stephen Schwartz hat mit diesen Songs ganze Arbeit geleistet, und sowohl der Chor als auch die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie. Ebenso beeindruckend erweist sich jedoch Hans Zimmers´ Score. Er schafft beeindruckende ägyptische Klänge, die an gegebenen Stellen verzaubern, an anderen erschrecken. Am besten ist ihm jedoch das musikalische Thema für Gott gelungen, das seinen Auftritt in "The burning bush" hat. Besser lässt sich Gott wohl nicht in Musik beschreiben. Das Thema ist nie zu stark, es bleibt immer in erster Linie glanzvoll und tröstend, bis es eine spektakuläre Rückkehr in "The Red Sea" feiert, als Moses das Meer teilt. Einen solch epischen Moment findet man in Zeichentrickfilmen eher selten. Beantstandungen gibt es von mir lediglich bezüglich der Popversionen, die scheinbar auf keinem Zeichentricksoundtrack fehlen dürfen und doch auf jedem gleich überflüssig sind. Das Duett von Mariah Carey und Whitney Houston bildet da zwar eine Ausnahme, warum allerdings die Gänsehaut-garantie des Openers riskiert wurde indem man dieses Duett als ersten Track vorausgehen lässt, bleibt ein Rätsel. Der Rest der Popsongs hat auf dem Album schlicht und ergreifend nichts verloren, da hätte man lieber Platz schaffen sollen für mehr Score-Musik, denn es ist eine Unverschämtheit, dass Stücke wie das kraftvolle "Chariot Race", der unheimliche und atmosphärische "Hieroglyph Nightmare" der auf "All I ever wanted" folgen sollte, und das Finale nach "The Red Sea", ein bewegender instrumentaler Reprise von "When you believe" und "Deliver us", weggelassen wurden, denn da geht echt etwas verloren, was dem Album eine wunderschön geschlossene Form verliehen hätte, und zwar zu Gunsten von etwas, das keiner braucht. Dennoch ist und bleibt dies ein Soundtrack, den keiner missen sollte. Uneingeschränkt empfehlenswert!