Mit diesem Silberling wird das Debüt-Album noch um Längen getoppt. Nachdem dieses spielerisch so ziemlich jedes Metalklischee zerpflückt hat, zeigen die Jungs aus Schweden nun auch, dass sie anspruchsvolle Texte schreiben können.
Mitnichten geht es hierbei nur um Klischees, wie es leider immer wieder auch von anerkannten Metal-Magazinen missverstanden wird, vielmehr setzt sich die Band größtenteils kritisch mit den verheerenden Kriegen des letzten Jahrhunderts auseinander wie dem 2. Weltkrieg, Vietnam oder auch Nahost. Dies wird belegt durch Textpassagen wie z.B. "genocide you cannot justify" (Völkermord ist nicht zu rechtfertigen). Stellenweise driftet man zwar ins Klischee ab, jedoch muss man sich mal klarmachen, dass auch viele Soldaten wirklich so fanatisch gedacht haben, denn dann wird man zum Nachdenken angeregt. Außerdem relativiert sich dies alles wieder beim Hören des Glanzstückes "Purple Heart", in welchem deutlich gemacht wird, was in einem Krieg wirklich geschieht: Menschen sterben und werden post-mortem mit irgendwelchen Ehrenmedaillen behangen, für die sie sich nichts mehr kaufen können ("Heart of the Brave cannot bring me back to life"). Siege werden mit dem Tod vieler Menschen erkauft. Nicht nur die musikalische Genialität und Vielseitigkeit, die dieses Album auszeichnen, sondern auch der gehobene Anspruch der Texte machen dieses Album zu einem der Höhepunkte in meinem CD-Ständer.
Der letzte Song "Metal Machine" auf dem Album zeigt auch die Fähigkeit zur Selbstironie der Truppe: Spielerisch werden bekannte Metaltitel aneinandergereiht und zu einem Text vereinigt, der beim ersten Hören wenig Sinn ergibt, aber Kenner der Originale durchgehend wissend schmunzeln lässt. In den letzten Passagen ersetzen sie den bisherigen Refrain durch den von "Masters of the World" von ihrem letzten Album und zeigen damit augenzwinkernd: "Schaut her, unsere Refrains kann man zwischen den Liedern austauschen!"
Das Album hat keine Aussetzer, weil jedes Lied irgendwo einzigartig klingt und der Sänger Joakim Brodén sich wohltuend von den einige Oktaven höher singenden Kollegen aus dem Power/Melodic Metal-Lager abhebt.
Hut ab vor soviel Einfallsreichtum nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch textlich, denn gerade die Gratwanderung, wenn es um Kriege an sich geht, ist hier bravourös gelungen. Wenn sich Metal mit diesem Thema auseinandersetzt, besteht immer die Gefahr, dass das, was rauskommt, glorifizierend und verherrlichend wirkt. Vor allem in Deutschland wird so etwas immer sehr kritisch beäugt, aber ich kann nur nochmal betonen: Tut nicht alles, was Metal ist, als Klischee ab! Hier wurde tiefer in die Anspruchskiste gegriffen als nur "Sword", "Hail", "Kill" oder "Let the hammer fall" :) Da habe ich zwar auch nichts gegen, aber dies hier ist DEFINITIV BESSER!
Anspieltipps: Purple Heart, Metal Machine, Wolfpack, Panzer Bataillon, Primo Victoria, Stalingrad (progressiver Einfluss)