Das Erste was ich dachte, als ich Prime Minister gelesen hatte, war: "unglaubwürdig und unentschlossen". Aber bevor ich diese beiden Eigenschaften näher erkläre, will ich die Story von Prime Minister kurz wiedergeben.
Die Hauptperson des Mangas ist die 16jährige Minori, die eines Tages wegen schönem Wetter keine rechte Lust auf Schule hat und kurz entschlossen blau macht. Dabei landet sie in einem Game-Center. Als Mädchen, noch dazu eines, das die Frechheit besitzt den Jungs zu zeigen wo's langgeht, fällt Minori natürlich sofort auf. Auf einmal geht ein völlig verrückt gewordener Kerl auf Minori los und schreit: "Verdammt, wer wagt es, mich zu besiegen?" Aber statt eines tätlichen Angriffs erwartet Minori etwas völlig anderes. Der Kerl greift ihr ins Haar und ist plötzlich hin und weg von ihr (oder von ihrem Haar?). Er behauptet sogar er hat nun seine "Braut" gefunden. In letzter Sekunde kann sich Minori gerade noch aus dem Staub machen. Doch schon am nächsten Tag fährt der Verrückte mit einer schwarzen Limousine vor und entführt sie aus der Schule. Er meint es mit dem Heiraten offensichtlich ernst, denn schließlich bittet er sogar ihre Eltern um die Hand ihrer minderjährigen Tochter. Die sind völlig aus dem Häuschen, denn der "Verrückte" wurde gerade als 25jähriger zum jüngsten Premierminister Japans gewählt und ist somit eine aussichtsreiche Partie. Von da an wird Minoris bisheriges Leben völlig auf den Kopf gestellt...
Das alles hört sich ganz nach einem Shojo an. Auch die Inhaltsangabe auf dem Klappentext des Mangas und die Genrezuordnung des Verlages heißt ganz klar "Shojo". Aber Kenner des Shonen-Ai-Genres wissen natürlich, dass Eiki Eiki für eine ganz andere Art von Liebesgeschichten bekannt ist. Und tatsächlich wird einem beim Weiterlesen des Mangas immer klarer, dass die Geschichte sich genauso gut auch als Shonen-Ai herausstellen könnte, denn bis auf Minori sind die weiteren Charas allesamt recht ansehnliche Jungs und es wird in Band 1 auch schon Einiges in die Richtung angedeutet. Deshalb verweise ich an der Stelle auf meine Einleitung und nenne die Geschichte "unentschlossen". Leserinnen, die mit dem Shonen-Ai-Genre nicht vertraut sind und einen Shojo erwarten, sollten also gewarnt sein. Natürlich ist er mit der Kombination aus Beidem auch gut als Einstieg ins Shonen-Ai-Genre geeignet, wobei den ganz jungen Leserinnen die männlichen Charas mit 25 Jahren vielleicht schon etwas zu alt sein dürften.
Eine weitere Schwäche ist die Unglaubwürdigkeit der Story. Einen 25jährigen Premierminister finde ich schon sehr an den Haaren herbeigezogen und zum anderen, wo gibt es denn so was, dass man von einem völlig Unbekannten von einer Sekunde auf die nächste einen Heiratsantrag kriegt und der sein Handeln auch noch mit Liebe rechtfertigt? Darüber wundert sich nicht nur Minori... Naja, vielleicht sollte ich das Ganze nicht allzu ernst nehmen, schließlich sind Mangas nicht gerade für ihren Realitätssinn bekannt.
Aber ich will nicht nur schimpfen, es gibt auch Erfreuliches über Prime Minister zu berichten, nämlich die wunderschönen Zeichnungen mit gut ausgestalteten Hintergründen, traumhaften Porträts des Prime Ministers und sehr sympathischen männlichen Charakteren, bei denen jede Leserin den passenden für sich entdecken sollte. Die Geschichte hat durchaus Potential, sich weiter ins Positive zu entwickeln, sollte sie sich für eine der beiden angedeuteten Richtungen entscheiden.
Für die Story würde ich nicht mehr als 3 Sterne vergeben, die Zeichnungen verdienen locker 4-5 Sterne, das ergibt im Durchschnitt knapp 4 Sterne, also runde ich in Erwartung einer Steigerung in den nächsten Bänden auf volle 4 Sterne auf.