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Primaten und Philosophen: Wie die Evolution die Moral hervorbrachte [Gebundene Ausgabe]

Stephen Macedo , Josiah Ober , Frans de Waal , Hartmut Schickert , Birgit Brandau , Klaus Fritz
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 19,90 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
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Kurzbeschreibung

10. September 2008
Sind wir zum Egoismus verdammt? Oder gehört auch die Moral zu unserer Natur? Der Verhaltensforscher Frans de Waal präsentiert überraschende Antworten auf philosophische Fragen. Forschungen mit Affen haben seine Vermutung bestätigt, dass moralisches Verhalten evolutionäre Vorteile sichert, die für Tiere genauso bedeutsam sind wie für Menschen. Er widerlegt damit die Vorstellung, Menschen seien schon auf genetischer Ebene als egoistische Wesen konzipiert. Der Band stellt de Waals Theorien vor und dokumentiert die daran anschließende Diskussion.

Wird oft zusammen gekauft

Primaten und Philosophen: Wie die Evolution die Moral hervorbrachte + Das Prinzip Empathie: Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können + Der Affe in uns: Warum wir sind, wie wir sind
Preis für alle drei: EUR 57,70

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (10. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446230831
  • ISBN-13: 978-3446230835
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 173.325 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"De Waal ist der Humanist unter den Verhaltensforschern und setzt dem Prinzip Eigennutz Mitleid, Einfühlung, Interesse und Selbstlosigkeit entgegen." Richard David Precht, Der Spiegel, 06.10.08

„Frans de Waal ergründet, wie sehr biologische Gemeinschaften Vorläufer unserer Gesellschaft sind und dessen, was als ihr wichtigster Kitt gilt: Die Moral. Der führende Primatologe weist nach, wie sehr soziale Gefühle bereits das Zusammenleben von Schimpansen und Bobos prägen.“ Andreas Weber, Die Zeit, 09.10.08

„Ist die Moral dem Menschen vorbehalten oder findet sie sich auch im Tierreich? Frans de Waal gibt darauf eine kluge Antwort. Sein Buch bietet nicht nur Einblick in einen bisher unterbelichteten Bereich des tierischen Verhaltens, sondern mahnt uns, nicht alles Leben nach menschlichen Kategorien zu bewerten.“ Thomas Groß, Die Welt, 11.10.08

„De Waal bringt den von der Philosophie eingeordneten Kompass gehörig durcheinander. ... Unvergesslich dabei eine wunderbare Anekdote: So beobachtete de Waal eines Tages ein Bonoboweibchen, das einem kleinen, hilflos hingesunkenen Vogel aufhalf - auf dass das so ganz andere Wesen wieder fliege.“ Christian Thomas, Frankfurter Rundschau, 14.10.08

Über den Autor

Frans de Waal , geboren 1948 in den Niederlanden, lehrt u.a. an der Emory University in Atlanta/USA und zählt zu den bekanntesten Primatenforschern der Welt.Hartmut Schickert, geboren 1950, arbeitete als Sachbuchlektor für namhafte deutschsprachige Verlage und lebt heute als Publizist und Producer in Stuttgart.

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4.0 von 5 Sternen Dialog über die Evolution der Moral 9. Mai 2009
Von Lulu TOP 100 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch setzt sich aus einer etwa 60-seitigen Kritik Franz de Waals an der sog. Fassadentheorie (dazu kommen einige Anhänge), jeweils etwa 20-seitigen Kommentaren von Robert Wright, Christine M. Korsgaard, Philip Kitcher und Peter Singer und einem ca. 20-seitigen Fazit "Der Turm der Moral" (welches mir besonders gut gefallen hat) von Franz de Waal zusammen.

Als Fassadentheorie wird die in der Biologie weit verbreitete Auffassung verstanden, Lebewesen (inkl. Menschen) handelten primär egoistisch. Eine nach außen hin vertretene Moral sei dabei nur eine dünne Fassade, die über einem nichtmoralischen Kern liegt. De Waal bestreitet dies und verweist auf grundsätzliche Ähnlichkeiten zwischen den biologischen Grundlagen der Moral und der Sprache (185). Ein Kind besitze die Fähigkeit, jede Sprache zu erlernen. Entsprechend sei der Mensch grundsätzlich moralfähig, und zwar schon aus biologischen Gründen.

Den Ursprung der Fassadentheorie führt er bis auf Thomas Henry Huxley zurück (195): "Huxley und seine Nachfolger haben versucht, einen Keil zwischen Moral und Evolution zu treiben, eine Haltung, die ich auf eine obsessive Fixierung auf die natürliche Selektion zurückführe. Der Fehler liegt darin zu glauben, dass ein hässlicher Prozess nur hässliche Resultate erzeugen kann (...)."

Moral wird im Rahmen des Buches als ein gruppenorientiertes Phänomen aufgefasst (179), "das aus der Tatsache entspringt, dass wir zum Überleben ein Unterstützungssystem brauchen". Da aber Lebewesen Eigeninteressen bezüglich Selbsterhalt und Fortpflanzung verfolgen, kommt es auch in sozialen Gemeinschaften zwangsläufig zu Interessenkonflikten (180): "Um Kooperation und Harmonie innerhalb der Gruppe zu fördern, setzt die Moral dem Verhalten Grenzen, insbesondere wenn Interessen aufeinanderprallen." Hier sieht De Waal gegebenenfalls unterschiedliche Maßstäbe für die beiden Geschlechter angelegt (181): "Entscheidende Ressourcen (...) sind Nahrung und Paarungspartner, für die Eigentumsregeln, Teilungsregeln und Austauschregeln gelten. Die Nahrung ist am wichtigsten für weibliche Primaten, besonders wenn sie schwanger sind oder Milch geben (was sie die meiste Zeit tun), und Paarungspartner sind am wichtigsten für männliche Tiere, deren Reproduktion von der Zahl der befruchteten weiblichen Tiere abhängt. Dies mag die berüchtigte 'Doppelmoral' zugunsten der Männer erklären, wenn es um eheliche Untreue geht. Frauen hingegen werden in Fällen der Kinderfürsorge oft bevorzugt, was den Vorrang widerspiegelt, welcher der Mutter-Kind-Bindung zugesprochen wird. Von daher sind, auch wenn wir uns um geschlechtsneutrale moralische Standards bemühen, Urteile in der Lebenspraxis nicht über die Biologie der Säugetiere erhaben. Ein funktionsfähiges Moralsystem löst seine Regeln selten völlig ab von den biologischen Imperativen des Überlebens und der Reproduktion."

Als Unterschied zwischen Tieren und Menschen sieht de Waal zum einen die Reichweite moralischen Handelns, welches sich bei Tieren maßgeblich auf die eigene Gruppe beschränkt. Demgegenüber könne der Mensch moralische Maßstäbe abstrahieren und auf die ganze Menschheit oder gar nichtmenschliche Tiere ausweiten. Allerdings hänge eine solche Ausweitung maßgeblich von der Verfügbarkeit der Ressourcen ab (182): "Zwar ist die Ausweitung des Kreises begrüßenswert, doch ist sie begrenzt durch Erschwinglichkeit, das heißt, die Kreise dürfen sich in Zeiten des Wohlstands ausdehnen, werden aber unweigerlich schrumpfen, wenn die Ressourcen schwinden (...). Der Grund dafür ist, dass die Kreise Ebenen der Verpflichtung bezeichnen."

Auf dieses Problem weist auch Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung hin, nämlich in Bezug auf die Gefallen-wollen-Selektion, die die Grundvoraussetzung vieler Moralsysteme sein dürfte: Kommt es zu kritischen Ressourcenengpässen, dürften Demokratie, Zivilisation, Gefallen-wollen, Moral etc. schon bald wieder dominanten Selektionsverfahren Platz machen müssen. Dominante Selektion und Moral schließen sich aber gegenseitig aus.

Daneben unterscheidet de Waal drei Ebenen der Moral:
1. Moralische Gefühle
2. Sozialer Druck
3. Beurteilung und Überlegung

Tieren, und hier insbesondere den Primaten, gesteht de Waal - wie dem Menschen - die beiden ersten Ebenen zu, während er die dritte Ebene als spezifisch menschlich bezeichnet. Insgesamt hält er die Moralfähigkeit des Menschen jedoch für eine homologe Eigenschaft: Sie habe sich nicht parallel und unabhängig (d.h. analog) von der Moralfähigkeit der sonstigen Primaten entwickelt, sondern aus deren einfacheren Formen heraus weiterentwickelt. Aus diesem Grund spricht er auch vom "Turm der Moral".

Einen engen Bezug zur Moral besitzt auch der Altruismus, den er grob in funktional und intentional untergliedert:
- Funktional altruistisch
- Sozial motiviertes Helfen
- Intentionales, gezieltes Helfen
- Egoistisches Helfen (intentionales Streben nach Gegenleistung).

Funktional altruistische Handlungsweisen sind gemäß de Waal auch im Tierreich weit verbreitet, während intentionaler Altruismus vor allem beim Menschen vorzufinden ist. Allerdings scheint er sich dabei auf den reziproken und den Verwandtschaftsaltruismus zu beschränken, während er den auf der Gefallen-wollen-Kommunikation beruhenden (eigentlichen) Altruismus (den Amotz Zahavi als ein biologisches Handicap interpretiert, siehe: Signale der Verständigung) außen vor lässt.

Das Buch ist insgesamt sehr interessant, allerdings haben mich die verschiedenen Gegenpositionen eher irritiert, zumal sie sich zum Teil nur marginal von der de Waals unterscheiden.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konnte die Evolution die Moral hervorbringen? 4. April 2009
Von Stevo
Format:Gebundene Ausgabe
Primaten und Philosophen" ist keine wissenschaftliche Monographie, sondern eine gedruckte biologisch-philosophische Diskussion um die Frage:
Wie sind wir Menschen, angesichts der Tatsache, dass es starke wissenschaftliche Gründe für die Annahme gibt, dass Egoismus ein primärer Mechanismus der natürlichen Auslese ist, dazu gelangt, uns so stark an den Wert des Guten zu binden?

Zunächst schildert de Waal ausführlich seine Position, die anschließend von Robert Wright, Christine Korsgaard, Philip Kitcher und Peter Singer kritisch gewürdigt wird. Anschließend bekommt de Waal noch die Gelegenheit auf seine Kritiker zu antworten. Dieses Konzept ist überaus überzeugend und die Diskutanten verstehen allesamt ihr Handwerk, wobei meiner Meinung nach die Beiträge von Kitcher und Singer herausragen.

Obwohl die Diskussion sehr angeregt und kontrovers geführt wird, sei hier folgendes angemerkt: Im Hinblick auf zwei Prämissen besteht bei allen Autoren Übereinstimmung.
1. Die Evolution ist eine Tatsache und ein nicht zielgerichteter Prozess, der einer natürlichen Auslese unterliegt.
2. Es gibt moralisch gutes Handeln bzw. Verhalten in der Welt.

Wenn man sich auf diese beiden Prämissen einlassen kann, dann wird man eine Menge Freude an diesem anregenden Buch haben, auch wenn einige Details (u.a. die hobbessche Gesellschaftsvertragstheorie) leider nicht zutreffend dargestellt sind.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Evolution und Moral 18. November 2011
Von Blaumaintal VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Das Buch gliedert sich in 3 Teile. Der erste Teil ist der Beitrag von de Waal, der für das ganze Buch den Anstoß gegeben hat:"Moral als Ergebnis der Evolution". Darin spricht sich de Waal gegen die von ihm sogenannte "Fassadentheorie" aus, für die es seiner Meinung nach keine empirischen Belege gibt, nämlich dass der Mensch im Grunde ein böses, asoziales Wesen sei, dass nur sozusagen durch eine dünne äußere moralische Schicht daran gehindert werde allzu destruktiv zu handeln. Dieser Theorie zufolge ist der Mensch von Natur aus auf sich selbst bezogen und geht nur seinem Eigeninteresse nach. Er ist von Natur aus kein soziales Wesen. Dagegen kommt von de Waal die gute Botschaft, und für diese hat er im Laufe seiner Forschungstätigkeiten auch eine Menge bestätigende empirische Daten sammeln können (z.B. an der vergleichenden Verhaltensforschung an Schimpansen und Bonobos), dass wir durch und durch soziale Wesen sind. So wendet er sich auch gegen die verbreitete abendländische Tendenz Emotionen und soziale Bindungen zugunsten bloßen Kopfdenkens, bloßer Rationalität einseitig abzuwerten. Mit Darwin ist er der Meinung, dass die Evolution Tiere begünstigt, die einander helfen, wenn daraus langfristige Vorteile entstehen im Gegensatz zum kurzfristigen Nutzen einer rein selbstbezogenen Handlung. Dass es schon bei nicht-menschlichen Primaten Empathie, Trösten, Dankbarkeit, Gemeinsinn und ein Gefühl für Fairness gibt weist er dann mit vielen Beispielen aus seiner Forschungspraxis nach. Und das ist auch unser Kern, unsere Wurzel und keine bloße Tünche. Sie rührt nach de Waal in ihrem Innersten und Ursprünglichsten in der Fähigkeit emotionaler Übertragung (automatische emotionale Beeinflussung). Die natürliche Auslese mag ein gnadenloser und grausamer Prozess sein, ihr Ergebnis kann und ist in diesem Fall trotzdem gut und kooperativ.

In einem zweiten Teil ("Kommentare") antworten dann bedeutende zeitgenössische Philosophen (R. Wright, C.M. Korsgaard, P. Kitcher, P. Singer) kritisch auf de Waal, wobei sich die Differenzen aber in Grenzen halten und sich die Kommentatoren mehr damit beschäftigen was den anderen Primaten uns gegenüber fehlt, als mit dem, was wir gemeinsam haben.

In einem dritten Teil, "Antwort auf die Kommentatoren", geht de Waal noch einmal auf einige Punkte seiner Kritiker in seinem Beitrag "Turm der Moral" ein, in dem er unter anderem die drei Ebenen der Moral vorstellt und zeigt, bis wohin seiner Meinung nach uns die anderen Primaten und höheren Säugetiere noch folgen können.

Eingeleitet wird das Buch durch eine gelungene Einführung von Josiah Ober und Stephen Macedo.

Ich finde das Konzept des Buches, dem wichtigen grundlegenden Beitrag kritische Antworten von Philosophen hinzuzufügen, sehr gelungen. Das schärft den eigenen Blick und klärt möglicherweise einige eigene Fragen, die de Waals Beitrag einem gestellt haben mag, ab. Allerdings teilen alle Autoren die Ansicht, dass so etwas wie die Evolution wirklich stattgefunden hat. Das Buch ist außerdem nicht zu schwierig zu lesen, so dass ich es als populärwissenschaftliche Biologie, bzw. Philosophie einordnen möchte. Mein Horizont wurde erweitert, Dank an die Autoren für ihre interessanten, engagierten Beiträge.
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