So, und die Scheibe gibt's auch schon wieder mal nicht mehr. Naja - bis auf die Primal Scream Fans wird das auch kaum wenn jucken, allerdings zu unrecht.
Das zweite Album der Schotten erschien zu einer Zeit, als die Musik die Sie hier pflegen aber so was von unhip war, daß es alleine dafür damals schon einen Preis verdient hätte. Im Alternative Bereich war dieses Noise Ding der letzte Schrei und die Charts dominierten, von den rockigen Sachen her, Glam Metal und Sleaze Rock bzw. Poprock á la Bon Jovi. Was macht diese Band? Sie setzt auf Garage Rock und Folk Balladen und dem ganzen mit einem Gospel Soul Rock Bastard noch die Krönung der uncoolness auf.
Da ist viel 60ies und frühe 70er drinnen und so gesehen waren Sie wohl einfach nur 20 Jahre zu früh dran. Wenn Sie in ,Ivy, Ivy, Ivy' nach den Stooges klingen, wenn die poppige Melodien gehabt hätten oder in ,Gimme Gimme Teenage Head' ganz ungeniert MC5 zitieren, dann trägt sich diese Platte ganz von selbst in die 00er Jahre. Und wenn der artsy Velvet Underground-Sound bei bspw. ,You're Just Dead Skin To Me' wiederbelebt wird, dann wartet man eigentlich nur auf den Vokal-Einsatz von Nico (der zu Gillespie's hoher Stimme wohl einen guten Gegenpart gegeben hätte).
Die peinlichen Texte kann man leicht ausblenden und wenn man sich an Gillespie's unangestrengte Art zu singen und sein lauwarmes timbre gewöhnt hat, dann überzeugt die Scheibe auch einfach mit jeder Menge Ohrwurm Melodien. Und wenn man als nicht-Fan bisher nur die Hits kannte, dann ist man ziemlich erstaunt über die eigentlich großartige Originalversion von ,Loaded' die hier unter dem Titel ,I'm Losing More Than I'll Ever Have' drauf ist. Gospel Soul sucht Rock mit unwiderstehlichem Groove ist das und schuldet Sly Stone genauso viel wie den Stones der späten 60er. Schwer psychedelisch geht's dann noch in der musikalischen Untermalung der bekifften Ballade ,Kill The King' zur Sache.
Tolles Album einer Band jedenfalls die sich damals noch nicht gefunden hatte - und das vielleicht bis heute gar nicht will, denn bei denen weiß man nie was als Nächstes kommt.