Positiv
Der Film funktioniert. Schon das ist heute leider nicht selbstverständlich. Die Story ist in sich schlüssig und gut erzählt, und obwohl gewisse Prinzipien altbekannt sind, finde ich den Genre-Mix aus Western, Endzeit-Horror, Martial-Arts-Action und Kirchen-Thriller durchaus originell. Die Story (die überall nachzulesen ist) wird von den guten Schauspielern hervorragend getragen.
Einige Rezensenten hätten sich wohl einen Action-Star à la Jason Stratham als Priester gewünscht; Ich dagegen bin sehr froh, dass dieser vom SCHAUSPIELER Paul Bettany verkörpert wird, denn die Rolle erfordert weit mehr als schnödes Gekloppe. Der Priester muss sein Haupt glaubwürdig in einer selbst-kasteienden, katholischen Demut neigen und sich mit Gefühlsäußerungen sehr zurücknehmen. Entsprechend besteht die Herausforderung darin, die durchaus vorhandenen Gefühle in kleinsten Gesten und Blicken zu transportieren, was ich bei den üblichen Baller-Darstellern wirklich nicht sehen möchte.
Der Film ist außerdem technisch top und schafft es, neben den effektvollen Inhalten schon allein mit der Lichtgebung und der Bildsprache eine sterile, trostlose Endzeit-Atmosphäre zu erschaffen (Ich wundere mich immer, wie viele Filme meinen, ohne Atmosphäre auszukommen).
Negativ
Es bleiben leider viele nebensächliche Fragen offen, was zwar keine Löcher in die Story reißt, aber angesichts der Filmkürze von 80 Minuten (ohne Abspann) sehr schade ist. Die Menschen leben in einem absolutistischen Kirchenstaat und die Vampire sind organisiert; wie genau die Filmwelt gestaltet ist, z.B. unter welchem Druck die Menschen stehen und was bei einem Verstoß gegen ein Gebot passiert, wird aber nicht weiter ausgeführt. Gut, kann ich mir im Prinzip denken, und ich mag es auch nicht, wenn Filme sich selbst zu Tode erklären. Dennoch hätte ich gern 20 Minuten mehr gehabt, die insgesamt die Geschichte weiter vertiefen, denn das Potenzial springt einen geradezu an.
An die Unzufriedenen: Es handelt sich um eine Comic-Verfilmung. Ja, vieles ist nicht neu, es ist aber heutzutage ziemlich schwer, gänzlich neue Inhalte zu erfinden, und wenn es doch einer wagt wie z.B. *Splice* sind auch wieder alle unzufrieden, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Den Film *Priest* kann man ruhig als das akzeptieren, was er ist: eine gelungene, ungewöhnliche Popcorn-Unterhaltung, die ich in etwa auf Augenhöhe mit *Underworld* und *Doom* sehe.