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Preußischer Bilderbogen [Gebundene Ausgabe]

Rainer Ehrt
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1. Oktober 2011
300 Jahre hat er nun bald auf dem Buckel, der gute alte Fritz. Grund genug, einen satirischen Blick auf das verehrte und geschmähte Preußentum zu werfen. Rainer Ehrt zeichnet sich durch die preußische Geschichte, angefangen beim Markgrafen Albrecht Achilles über den Soldatenkönig und die mythische Luise bis zur letzten Wachablösung nach einem mehr als ruhmlosen Untergang. Gewitzt und pointiert hebt er dabei die Eigenarten des porträtierten Personals hervor und deckt so manche Kuriosität oder groteske Wandlung auf. Erfrischend sticht dieser Bilderbogen aus der Flut üblicher Biografien hervor und bietet sowohl ausgesprochenen Preußenkennern als auch interessierten "Neulingen" spannendes Anschauungsmaterial über "Kartätschenprinzen", ostelbische Krautjunker oder Badekur-Kaiser. Und Friedrich? Der spielt mit Voltaire Schach dazu, und Querflöte - unterstützt von Pressluftzufuhr aus dem Keller seines Lustschlösschens.

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 140 Seiten
  • Verlag: Parthas Verlag Berlin; Auflage: 1. Auflage (1. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869640499
  • ISBN-13: 978-3869640495
  • Größe und/oder Gewicht: 29,6 x 21,4 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 767.211 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Rainer Ehrt, 1960 in Elbingerode/Harz geboren, studierte Gebrauchsgrafik an der Hochschule für Kunst und Design Halle/Burg Giebichenstein. Der mit zahlreichen Preisen - z. B. mit dem Grand Prix World Press Cartoon von Lissabon - ausgezeichnete Künstler lebt und arbeitet in Kleinmachnow. Seine Arbeitsgebiete sind freie Grafik, Cartoon, Illustration und Künstlerbuch.

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Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Beim ersten Durchblättern war ich fasziniert -- wenn schon ein paar Jahrhunderte Geschichte auf relativ wenigen Seiten, dann bitte so! Es beginnt mit dem Buch selber; ein Leckerli nicht nur für Bibliophile: Ein Bilderbuch für Erwachsene ist das, in dem der Grafiker und Zeichner Rainer Ehrt stichwortartig die preußische Geschichte anhand markanter Personen und Ereignisse erzählt. Und zwar im fadengebundenen Großformat, von vielen, viiiielen farbigen Zeichnungen durchwuchert, die nicht nur von Ferne an den großen Klaus Ensikat erinnern. Jede Doppelseite ist eine Augenweide. Chapeau!

Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich's aus der Nähe sehe. Das nämlich hat mich ein wenig ernüchtert, obwohl Ehrt unbedingt ein Könner ist. Seine Texte jedoch... hmmm. Nicht, dass die schlecht wären, oder dass er je den Überblick verloren hätte. Nein, das kommt hin, und die ein oder andere Kurzcharakterisierung der Preußenkönige hilft zumindest dabei, all die vielen Friedriche und Wilhelms endlich nicht mehr zu verwechseln -- und seine markanten Gesichterzeichnungen mit dem hingehauchten Witz tun ein Übriges. Aber wenn Ehrt versucht, historische Hintergründe kurz und prägnant zu erzählen, dann schleicht sich der Eindruck heran, dass er in Geschichte nicht besonders aufgepasst hat; allzu oft verpasst er die Pointe. Nur ein Beispiel von vielen: Man kann Otto von Bismarck je nach dem eigenen Standpunkt ja durchaus einiges vorwerfen -- aber anzudeuten, er stehe im Zusammenhang mit den Kolonien des Deutschen Reiches, das tut ihm dann doch Unrecht.
Da hätte Ehrt sich besser mal beraten lassen... Andererseits: Seine Anmerkungen in Sachen Fontane (in der Literatur und beim Friseur), oder seine hinterlistigen Sticheleien über die vielleicht doch nicht so makellose Freundschaft zwischen Voltaire und Friedrich II. -- das ist gekonnt. Und in der Kunstgeschichte kennt er sich zweifellos aus, nicht nur von Berufs wegen. Siehe beispielsweise seine treffsicheren Sticheleien in Sachen "Gründerzeit vs. französischer Impressionismus". Pointiert Schreiben kann er also durchaus, nur mit dem Hintergrundwissen hapert's mitunter (zum Glück nicht immer).
Bleiben die Zeichnungen; die haben nämlich was, und das Layout ist hervorragend: Die Illustrationen sind nicht einfach so reingestopft, sondern sie setzen Kontrapunkte zum Text. Sie dominieren zweifellos, und das ist gut so. Einen gewissen hintergründigen Witz kann man ihnen nicht absprechen (vorsichtig formuliert), und wie gesagt: Sie erinnern stark an Klaus Ensikats Meisterwerke.
Aber genau diese Nähe zu einem der (beinahe-)gegenwärtigen Großen ist einerseits ein Segen, andererseits jedoch auch ein Fluch: Mir jedenfalls passierte es beim genaueren Hinschauen öfters, dass ich mir vorgestellt habe, in was für ein graphisches Jahrhunderttor Ensikat diese oder jene Steilvorlage verwandelt hätte... Und schon war Ehrt nur zweiter Sieger. Die Illustrationen wirken und sind gut, aber gelegentlich sind die Details ein wenig schnell-schnell gekritzelt, wo Genauigkeit noch mehr rausgeholt hätte -- finde ich in all meiner Subjektivität. Und manche Witze sind mir zu plakativ; ihnen scheint mir der doppelte Boden zu fehlen. Etwa die Reichsgründung ausgerechnet im Versailler Schloss -- da hätte ein so guter Grafiker wie Ehrt doch wirklich mehr rausholen können als die versammelten Landesherren mit Clownsnase. Andererseits ist das natürlich auch wieder fies von mir, einen fähigen Zeichner an einem Großmeister zu messen. Vergleiche ich etwa jeden Schriftsteller, der mir aus gutem Grunde gefällt, mit Bulgakow, Gernhardt oder Fontane? Also unentschieden. Gut sind sie, die Zeichnungen, und das Layout erstrecht.

Und nun soll ich Sternlein verteilen. Die Idee ist gut, nach all dem Bohau in Sachen "Preußens Chef hatte Geburtstag" ein wenig am Lack zu kratzen. Nicht nur die Idee ist gut, sondern auch die Umsetzung; das Layout ist sogar spitze. Aber es wäre noch einiges mehr möglich gewesen. Um's im Sportreporter-Jargon zu sagen: Da steht ein ideenreicher Spieler in der 90. Minute vorm leeren Tor, und dann stolpert er über den Ball. Aber irgendwie rollt der Ball dann doch noch rein...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es bleibt dabei, Kant ist mir der Liebste. 28. Oktober 2011
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Nächstes Jahr feiern wir den 300. Geburtstag Friedrichs des Große von Preußen. Aus diesem Anlass werde ich einige Bücher, die sich mit ihm und mit Preußen generell befassen, demnächst rezensieren.

Beginnen möchte ich mit Rainer Ehrts "Preußischer Bilderbogen". Ehrt ist 1960 in Elbingrode im Harz geboren, absolvierte in Halle an der Hochschule sein Studium für Kunst und Design und erhielt als Cartoonist sowie als Illustrator zahlreiche renommierte Preise und zwar weltweit.

Im vorliegenden Buch lernt der Leser die Geschichte Preußens kennen und zwar häppchenweise, jeweils mit den wunderschönen, dabei witzigen und hintergründigen Illustrationen des Künstlers verquickt.

Nach einem aufschlussreichen dreiseitigen Text, der offenbar das Vorwort ersetzen soll und in dem man auch erfährt, dass der Name Preußen vom baltischen Volksstamm der Pruzzen herrührt, liest man u.a. Näheres über die Wurzeln der preußischen Tugenden, die in dem preußisch-calvinistischen Arbeitsethos begründet liegen, verbunden mit "vergottenen Soldatentugenden von Selbstlosigkeit, Pflicht, Dienstbeflissenheit und lustvollem Gehorsam".

Wir erfahren hier weiter, dass letztlich von diesen Preußen der Entdeckergeist der Humboldts, die Philosophie Kants, Hegels, Schleiermachers und Fichtes, die schöne Literatur Hoffmanns, der Arnims, Kleists, Fontanes und der aufklärerische Geist Moses Mendelssohns, Ossietzkys und Tucholskys geblieben sei und doch zeigt Rainer Ehrt all das andere auch, vor allem die Persönlichkeiten, zu denen man stets etwas Charakteristisches erfährt.

Über den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., den Vater des Geburtstagskindes, gibt es nichts Gutes zu berichten. Künstler, Gelehrte und Schriftsteller nannte er "Salbader" oder "Narren". Die Illustrationen, die diesen König zeigen, lassen erkennen, wie man den Herren einzuschätzen hat.

Die langen und kurzen Kerls lernt man kennen, bevor die Sprache auf den jungen Friedrich kommt und hier natürlich auch auf das Drama mit Katte. Friedrich war nicht nur ein Philosoph und erster Diener seines Staates, sondern auch ein Mensch, der seine Künstlerfavoriten förderte. Er war ein Preuße, der alle Facetten des Preußentums in sich trug. Das auch übermittelt Ehrt durch seine Illustrationen. Sehr schön ist die Darstellung der Tafelrunde in Sanssouci und das doppelseitige Bild von Friedrich den Großen und Voltaire beim Schachspiel.

Friedrich der Große und Bach werden textlich und visuell thematisiert, auch Friedrichs Flötenkonzerte in Sanssoussi aber auch der Erlass im Hinblick auf das Kaffeetrinken.

Es folgen weitere geschichtlich interessante Momente. Man liest über Johann Gottfried Schadows "Quadriga" auf dem Brandenburger Tor. Man liest des Weiteren Anekdotisches darüber, wie Mozart in Potsdam weilte und über Luise von Preußen erhält man einen nicht uninteressanten Eindruck. Sehr bezeichnend ist der Satz und die daran anschließenden Fragen: "Luises Bild- nach frühem Tod scheinbar ewig jung- schillerte, phosphoreszierte und irrlichterte in allen Regenbogenfarben durch die deutsch-preußische Geschichte. Bürgerkönigin? Märtyrerin? Preußische Madonna?". Ich finde die Illustrationen im Hinblick auf diese Frau mehr als gelungen und überaus aussagekräftig. Sie beantworten die Fragen auf subtile Weise.

Es ist unmöglich, die einzelnen Bilder hier alle zu benennen. Die Texte dazu sind so brillant, wie die Bilder selbst und vermitteln spielerisch preußische Geschichte. Über die Salondamen wird man aufgeklärt, über den Vormärz, über Schinkel und seine Werke, auch Fürst Pückler kommt zur Sprache, ein Bild von der fiktiven preußischen Philosophenschule: Kant, Schopenhauer, Humboldt, Marx, Engels, Feuerbach, Fichte etc. lauschen aufmerksam einem Lehrer, nur Nietzsche ist in die Ecke verbannt. Ob der Lehrer gute Gründe hatte ihn abzustrafen, sei dahingestellt.

Preußisches Kriegsroulette wird visualisiert, Bismarck sowie Versailles 1871 werden nicht vergessen und Heinrich Mann und sein "Untertan" werden fokussiert, doch auch die Künstler Liebermann, Kollwitz und Zille.

Schön, dass man einen Originaltext von Kurt Tucholsky lesen darf, der sich 1922 in einem Zeitungsarikel gegen die Monokelpotentaten ausspricht und den Preußen zuruft: "Ihr sollt nicht strammstehn. Ihr sollt nicht dienen. Ihr sollt frei sein. Zeigt es ihnen."

Ein tolles Buch, das Preußen nicht glorifiziert, sondern die Protagonisten so zeigt wie sie waren. Gewisse Urteile werden dem einen oder anderen nicht schmecken. Mir schon. smile
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