Wenig erinnert in Deutschland heute noch an Preußen. Dennoch ist die Frage unstreitig, daß der ehemals größte deutsche Flächenstaat mit seinem kulturellen, politischen und geistigen Erbe das spätere Deutschland entscheidend geprägt hat. Schwieriger wird es dann schon bei der Beurteilung des Erbes. War es das liberale, bürgerliche und tolerante Preußen, das Maßstäbe für die weitere Entwicklung Deutschlands setzte, oder prägten gar die autoritären, reaktionären und militärischen Züge des preußischen Staates die kommende Politik? Die Gratwanderung zwischen diesen Extremen steht im Hintergrund, wenn der kürzlich verstobene Sebastian Haffner und Wolfgang Venohr versuchen, sich "der" preußischen Identität zu nähern. Der Ansatz, den sie dabei wählen, ist eher ungewöhnlich: Nicht die Betrachtung bestimmter preußischer Epochen, Kriege, Reformen oder Ereignisse haben sie sich vorgenommen, sondern die Beschreibung der Lebensläufe prominenter Preußen aus Monarchie, Politik, Militär und Literatur, die in dieser Bandbreite einen Eindruck von preußischer Vielfalt geben sollen. Zu diesem Kreis gehören unter anderem Friedrich II. und sein Vater, der "Soldatenkönig", genauso wie Helmuth von Moltke, Friedrich Engels und Erich Ludendorff, aber auch Theodor Fontane und Ernst Niekisch. Menschen, die gemeinsam hatten, daß sie "Preußen" waren, bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere. Der guten Benutzbarkeit des Taschenbuches kommt entgegen, daß jeder Biographie sowohl ein historisches Portrait als auch eine kurze Aufstellung der wichtigsten Lebensdaten vorangestellt ist. Die Neuauflage dieses Klassikers kann einen wichtigen Einstieg in die preußische Geschichte geben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)