Gerade in der heutigen Zeit scheint die intellektuelle Beschäftigung mit Preußen sehr gewinnbringend. In einer Zeit des ausufernden Sozialstaats, der seine eigentlichen Aufgaben aber gar nicht mehr bewältigen kann, ist ein Blick auf die Gesellschaft und die Wirtschaft des von Preußen dominierten Kaiserreichs mehr als sinnvoll.
Gar überraschende Fakten werden zutage gefördert und aufgezeigt wie ein funktionierender Staat, mit einer funktionierenden Wirtschaft uns heutigen Deutschen Impulse geben könnte. Gerade die Ansammlung der Fakten auf Seite 9 läßt einen doch mehr als grübeln: eine Analphabetenquote von 0.9%, heutzutage hat die BRD eine von 5%, eine Staatsquote von unglaublichen 14%, statt mittlerweile 50%, als Wissenschaftssprache Deutsch, die besten Universitäten der Welt, mehr als 20 Nobelpreise, heute freut man sich, wenn mal einer alle 25 Jahre abfällt, eine Staatsverschuldung unter 10%, meines Erachtens steuern wir gerade im Rahmen der Konjunkturpakete die 80%-Grenze an, etc.
Der Autor vermag es aufgrund seines hohen Bildungsgrades darzulegen wie effizient Preußen gemanagt wurde. Interessant ist z.B. mit wie wenig Beamten das Kaiserreich geregelt wurde, z.B. im Universitätsministerium hat man mit 34 Beamten Universitäten verwaltet und die Qualität gesichert wo heute nicht 10.000 ausreichen. Aber schier unglaublich mutet an, dass das Kaiserreich 14,9 Mio. Selbständige hatte, bei 64 Mio. Einwohnern. Da legt man wirklich die Ohren an. All dies legt der Autor mit Referenzen im Buch vor.
Das Buch ist gut strukturiert, es gibt jede Menge Referenzen. Insbesondere das vergleichende Zahlenmaterial von Seite 99-125 hat mich tief beeindruckt. Es wurde klar dargelegt was die Gründe für den Erfolg des Kaiserreichs waren. Zugleich erfährt man welches unsere Probleme heutzutage sind, und warum wir in unserem sozialistischen Staat nicht so recht auf die Beine kommen.
Leider gibt es hinsichtlich einer wirtschaftlichen Betrachtung keine anderen Bücher, es wäre diesem Land zu wünschen, dass man die preußischen Ideen des Wirtschaftens wiederaufgreifen würde.
Abschließend muss man sagen, dass der Autor sicherlich eine ganz eigene Meinung vertritt. Dieses Werk ist allerdings hochinteressant, da es Fakten präsentiert, sie klar belegt, und nicht auf Verleumdungen setzt, wie manch andere Bücher. Insbesondere wenn das wilhelminische Zeitalter ins Spiel kommt, sind viele Autoren ja dazu geneigt die Rückständigkeit in den Vordergrund zurücken, aber gerade im technologischen und wissenschaftlichen Bereich war Deutschland in der damaligen Zeit führend. Ein Anteil der Chemiebranche am Weltmarktanteil von sagenmäßigen 87% verdeutlicht dies.
Da der Autor das Kaiserreich mit der heutigen BRD vergleicht, ergeben sich interessante Schlußfolgerungen.