"Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst."
(Art. I. Kontrollratsgesetz Nr. 46)
Bei keinem anderen Land in der europäischen Geschichte treffen Befürwortung und Verachtung so hart aufeinander wie bei dem Staat Preußen, der keine Nation, sondern eher ein künstliches und fragiles Gebilde eroberter Landesflecken darstellte. Hervorgegangen aus sehr verschiedenen deutsch-slawischen und deutsch-baltischen Kolonialgebieten, zu denen später noch nord- und westdeutsche Gebiete hinzugewonnen werden konnten. Dem aufgeklärten und religiös toleranten Staat Friedrichs II., dem Freiheitskampf gegen Napoleon und der Sozialgesetzgebung Bismarcks stehen die Niederschlagung der 1848er Revolution, die nach einem vom Zaun gebrochenen Krieg, erzwungenen kleindeutsche Einheit, der imperiale Wahn Wilhelms II., der "Preußenschlag" sowie der "Tag von Potsdam" gegenüber. Dem Junkernstaat folgte das "Rote Preußen". Auf der einen Seite der Philosoph Wilhelm Hegel, der Dramatiker Heinrich von Kleist, die Multitalente Rudolf Virchow und August Wilhelm Iffland und dem Widerstandskämpfer Henning von Treschow und auf der anderen Seite ein gnadenloser Militarismus mit preußischen Tugenden, deren Disziplin zur "Nibelungentreue" und zum "Kadavergehorsam" auswachsen. Dann jedoch auch die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff, die als Chefredakteurin und Mitherausgeberin der Wochenzeitung "Die Zeit" das echte Preußentum als eine Verpflichtung zu Kultur und Moral gesehen hat.
Bereits im 18. Jahrhundert bemerkten kritische Zeitgenossen, dass "andere Staaten eine Armee besitzen, während in Preußen die Armee einen Staat besitzt." So kann auch Die Begründung des Alliierten Kontrollrates für sein Gesetz Nr. 46 vom 25. Februar 194, wonach "der Staat Preußen, seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist..." nicht von der Hand gewiesen werden.
Die Autoren Epkenhans, Gross und Köster haben ihre "Chronik & Facetten Preussens" an insgesamt 54 Zuständen, Ereignissen, Personen und Errungenschaften, sprich Kapiteln und - farblich in hellblau abgesetzten - Kurzbiographen festgemacht. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass alle drei Autoren im Forschungsbereich des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) in Potsdam beschäftigt, und der Geschichte Preußens sehr verbunden sind.
Am 14. Februar 2002, 47 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schlug brandenburgische Sozialminister Alwin Ziel (SPD) vor, das aus einer geplanten Fusion von Berlin und Brandenburg entstehende neue Bundesland "Preußen" zu nennen. Bis jetzt ist jedoch erfreulicherweise aus einem derartigen Anachronismus noch nichts geworden....
Neben 164, teilweise farbiger Fotos und Abbildung, die durchschnittlich mindestens auf jeder zweiten Seite zu finden sind, bietet ein 18seitiger Anhang weitere Materialien: Eine Zeittafel zur Geschichte und Kulturgeschichte, acht historische Landkarten, die der Visualisierung der Expansion Brandenburg-Preußens von 1415 bis 1918 dienen, ein Quellen- und Literaturverzeichnis, ein Namens- und Sachregister und ein Bildnachweis.
Der großformatige Band "Preußen. Aufstieg und Fall einer Großmacht" ist als reich ausgestattetes, populärwissenschaftliches Werk für einen Einstieg in die Thematik durchaus geeignet. Wer jedoch an einer mehr hintergründigen und distanzierteren Darstellung interessiert ist, sei Christopher Clarks Standardwerk "
Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 - 1947" empfohlen.
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