Möglicherweise können einige mit diesem Album gar nichts anfangen, weil es das einzige von Alice Cooper ist, das lange Zeit nicht auf CD erschienen ist. Und wenn sie es zum ersten Mal hören, könnten sie möglicherweise immer noch nichts damit anfangen, denn nichts, aber auch gar nichts, deutet auf die Musik hin, die Alice Cooper später gemacht hat oder haben, denn zu dieser Zeit nannte sich die Band so und nicht nur ihr Protagonist, der als Vincent Furnier geboren wurde. An seiner Seite waren damals Glen Buxton (g), Michael Bruce (g), Dennis Dunaway (b) und Neal Smith (dr), eine Besetzung, die noch weitere sechs Alben durchstand.
Auf "Pretties For You" gibt es 13 Songs, einer kurioser als der andere, was man schon an Titeln wie "Titanic Ouverture" oder "10 Minutes Before The Worm" feststellen konnte. Kurze Stücke wechselten sich mit längeren Songs ab, die allesamt keine Chance hatten, jemals die Hitparaden auch nur von unten zu sehen. Das war sicherlich auch ein Grund, warum Frank Zappa sie förderte. "Living" beispielsweise hört sich von den Harmonien an, als wäre es "Sergeants Pepper Lonely Hearts Club Band" entsprungen, wäre da nicht der bedrohliche Unterton, den man an vielen Stellen des Albums hören kann. Oft sind die Songs fast nur Musik mit Textbegleitung ("Ouverture" ist sogar gänzlich instrumental), wobei man sich meistens fragt, von was singen die eigentlich? Auch eine Parallele zu Zappa.
Die, die das Album zum ersten Mal hören und damit auch weiterhin nichts anfangen können, haben einen winzigen Aha-Effekt: Bei "Reflected" denkt man: "Das kenn' ich doch..." Klar, es ist so was wie ein Demo zum späteren Hit "Elected".
"Pretties For You" und das darauffolgende Album "Easy Action" erging es wie den beiden ersten Platten der Sparks. Weit entfernt von dem, was beide Gruppen später machten, gingen sie kommerziell völlig unter, um nach dem ersten Erfolg der jeweiligen Band noch mal als Doppel-LP zu erscheinen. Im Falle von Alice Cooper nannte man das Ergebnis "School Days". Manchmal höre ich mir beide Platten gerne wieder an einem Stück an, wobei "Easy Action" einen ähnlichen Aufbau wie "Pretties For You" hat, aber insgesamt etwas schwächer ist, weil noch schwerer verdaulich.
Trotzdem habe ich selten eine dermaßen interessante Musik gehört, die sich jeglicher Kommerzialisierung entzieht und dessen ungeachtet merkwürdig melodisch ist.