Eine unglaublich gut aufeinander abgestimmte Band, eine Sängerin mit großer Bandbreite und Lieder, die jedes Gebiet im New Wave abdecken. Dabei ist die Platte stets mitreißend, sei es, daß man seine Beine nicht ruhig auf dem Boden verweilend stehen lassen kann, sei es, daß man innerlich jede mögliche emotionale Phase durchmacht - zumindest scheint es so für den Moment. Die erste Hälfte kommt mit wenig melodiösen, schnellen Songs wie "Precious" oder "Tatooed Love Boys" daher, die keinen Zweifel daran lassen, daß sich Chrissie Hynde sehrwohl mit anderen Punk-Sängerinnen wie Patti Smith messen lassen kann. Doch wenn sie dann die Ray-Davies-Komposition "Stop your sobbing" anstimmt, schlägt die Platte plötzlich in pop-orientierte Melodien um, die jedoch immer klar verständlich machen, daß die Pretenders nicht mit beiden Augen auf die Charts schielen. Vielmehr erscheint dem Zuhörer ein logischer Zusammenhang zwischen beiden Hälften, zwischen Wut und Mutlosigkeit, Aggression und Bitterkeit, und dieser äußert sich nicht bloß in der Musik, sondern auch in den sehr unterschiedlichen Texten: zum einen schreit Hynde jede Beziehung oder deren Schrecken nieder, zum anderen bittet sie ihren Partner, doch die Traurigkeit beiseite zu lassen und sich wieder gemeinsam zusammenzuraufen. Diese Platte zeigt immer eindeutig, auf was sie gerade aus ist, und unterscheidet sich so wohltuend von dem häufig gespielten Gehabe anderer Punk oder New Wave-Bands.