Fürwahr, düster ist dieses Album allemal.
Von den Vorgängern noch eher anders prädisponiert - "Houses of the Holy" war regelrecht optimistisch ausgefallen, "Physical Graffiti" in der Stimmungslage durchmischt - liegt hier ein Werk vor, das sich als düsteres Bekenntnis einer von Dämonen verfolgten Gruppe präsentiert.
Dämonen, die man selbst gerufen hatte. Jahrzehntelange Alkohol- und Drogeneskapaden hatten ihre Spuren hinterlassen. Robert Plant, sexsüchtig und sonstigen Aufputschmitteln nicht abgeneigt; Jimmy Page, alkoholkrank und schwerst heroingeneigt; John Bonham, dem das Übermaß seines Lebens eine übervolle Rubensfigur verpassen durfte. Einzig John Paul Jones hatte sich menschliches Maß bewahrt.
Von derartiger Megalomanie strotzt auch seit jeher die Musik von Led Zeppelin: mit Kompromissen hatte man sich nie zufrieden gegeben, entweder totaler Triumph (etwa IV) oder Totalcrash (In through the out door).
Demgemäß: Die beiden Vorgänger eher der Zuversicht und Leichtigkeit gewidmet, schlägt das bipolare Pendel hier deutlich zu Gunsten der Depression aus:
Schwerfällige, sinistre, beinahe (der Stimmung nach) Metal-Musik erreicht das Ohr des Hörers.
"Achilles Last Stand" zunächst muss als uneingeschränktes Meisterwerk im OEvre der Band gelten; ähnlich wie "The Song remains the same" anfangs massiv gewöhnungsbedürftig, bohrt sich diese griechische Saga nach und nach ihren Weg ins Gehirn und etabliert sich dort dauerhaft. Gitarrenkaskaden, undurchdringlich und unbegreiflich. Darüber philosophiert ein Plant, unangreifbar wie Erzengel Gabriel. Und: es gelingt, die Spannung für ein Dutzend Minuten aufrecht zu erhalten.
"For Your Life", Beatles on the rocks. Abgestanden, kühl und desillusioniert gestaltet sich dies Meisterwerk.
"Royal Orleans" hingegen verbreitet beinahe Fröhlichkeit, wäre nicht jene Distanziertheit vorherrschend, die dieses Album kennzeichnet - der "objektive" Betrachter, als welcher Plant diesen Song "vorträgt", berichtet eben nur. Gekonnt.
Es folgt "Nobody's Fault But Mine" und damit ein weiterer Klassiker der Bandhistorie. Der Titel sagt alles; Fatalismus pur. Vom Schicksal geplagt, ja regelrecht gehetzt, schließt man mit dem Leben ab. Was bleibt einem auch sonst übrig.
"Candy Store Rock" bleibt eher nicht hängen, ebendies gilt auch für "Hots On For Nowhere".
Aber: was nun folgt, ist einzigartig. "Tea For One", eine angekühlte, enttäuschte und kaputte Version von "Since I've been lovin' you", wird dargebracht von einer hörbar, ja fühlbar gealterten Band, die auf ihr Lebensglück zurückblickt. Page bluest wie ehedem. Die besten Gitarrenparts seit dem vierten Album.
Insgesamt: Eine Platte für Erwachsene in deren dunklen Stunden. Fähig, in fatalistische Phasen zu geleiten - aber auch, derartige zu überwinden. Musik als Therapie.