Die Chronik lässt auf ihren 400 Seiten kaum Fragen offen, die man sich als Alt-Prenzlauer oder Zugezogener zu diesem Stadtteil stellt.
In der mittlerweile 2. Auflage endet die Aufzählung von Ereignissen am 7. Juli 2008, an dem die Wohnstadt "Carl Legien" an der Erich-Weinert-Straße in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.
Begonnen wird mit den ersten Aufzeichnung aus dem 13. Jahrhundert, in denen erstmalig von Cölln und später Berlin die Rede ist, sowie vom Ritterdorf Weddinghe - dem heutigen Wedding. Schnelle Sprünge führen bis zur Anlegung des "Alten Friedhof vor dem Prenzlauer Tor", den die Gemeinden "St. Marien" und "St. Nicolai" 1708 anlegten. Dadurch, dass bereits mit der urkundlichen Erwähnung Cöllns und Berlins begonnen wurde, hat man so einen guten Einstieg in die Entwicklung der gesamten Umgebung und findet sich besser zurecht, was die Lage und vor allem die Hintergründe des aktuellen städtebaulichen Aussehens des Prenzlauer Berg im Hinblick auf seine Hauptstraßenführung angeht.
Wenn man sich zum Beispiel über die Entstehung der drei prägenden Achsen Schönhauser Allee, Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße sowie der sie kreuzenden 'Danziger Straße' und 'Bornholmer-Wisbyer-Ostsee-Michelangelo-Straße' informieren will, bietet das Buch eine fundierte Beschreibung der Entwicklung.
Vor allem aber besticht Grosinskis Chronik dadurch, dass er eine vollkommen buntgemischte Aufzählung von Ereignissen politischer oder auch banaler Art, von Bauten, Regulierungen und Anekdoten präsentiert, die trotz des an sich trockenen chronologischen Aufbaus aus Datum-Ereignis-Aufzählungen, in jedem längeren Absatz einen lebendigen Eindruck vermitteln von dem, was den Prenzlauer Berg hat wachsen lassen. Querverweise in vielen Aufzählungen erleichtern zudem die Orientierung, so dass man immer wieder kurz bei anderen Daten nachschlagen kann, wie es mit der Sache weiter ging oder wie ihr Ursprung war.
Kurz gesagt: Die Geschichte des Prenzlauer Berg, seiner Bedeutung zunächst als Weideland, teilweise als Friedhof und vor allem immer eher als Außen- und Randbezirk der Stadt, wird in diesem Buch von Anfang an sehr grundlegend und ohne jede Wertung des Autors dargestellt.
Neben der Chronik an sich, die knapp 300 Seiten einnimmt, findet sich auch noch ein umfangreiches Verzeichnis von Straßen und Plätzen mit der Erklärung ihres Namensursprungs, außerdem ein Kapitel mit Zahlen, Daten und Statistiken sowie den Wahlergebnissen des Bezirks seit 1867.
Abgeschlossen wird das Buch mit einem umfangreichen Personen-, Straßen- und Sachregister, durch das man auf die Schnelle den passenden Eintrag im Buch findet.
Nach einer Kritik an der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur seit 1990 sucht man vergeblich - was auch gut so ist, schließlich handelt es sich um eine Chronik und kein Manifest. Ohne Häme wird im einleitenden Kapitel schlicht der Zuzug von Familien und das Anwachsen der Bevölkerungszahl im Bezirk festgestellt.
Insgesamt eine wirklich gelungene Chronik des Prenzlauer Berg, die sowohl die - muss man sagen "wenigen"? - echten, alteingesessenen Prenzlauer als auch die vermehrt und oft mit kaffeehaltigem Heißgetränk spazierenden und Kinderwagen-Schiebenden Zugezogenen umfangreich über die Geschichte ihres Wohnbezirks aufklärt.
Sehr zu empfehlen!