Da ich ein großer Freund satirischer / sarkastischer Lektüre im Stil von 'It's a Zoni' oder 'Hit me with your Klapperstock' bin, die insbesondere die neue deutsche Befindlichkeit im Visier haben (also Bücher, die einen beim Lesen zu einem ständigen Kopfnicken veranlassen), habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich mit den Werken des - nicht mehr ganz so jungen - aber dennoch zornigen Autors Gene Bailly einzulassen, auf dessen Veröffentlichungen ich durch Zufall gestoßen bin.
Bailly hat bereits zwei Bücher geschrieben, 'Die deutsche Pleite' Teil 1 +2, die als Vorläufer von 'Premium rats' angesehen werden können, und wie dieses die deutsche Beamten- und Juristenschaft aufs Korn nimmt.
Eine Gruppe also, die sich in der Beliebtheitsskala der Deutschen mal gerade einen knappen Platz vor nigerianischen Drogendealern und kasachischen Luden behauptet. Bezeichnender Weise ist Bailly laut seiner Aussage selbst Unternehmensberater, gehört also einer Berufsgruppe an, die auch nicht viel besser angesehen ist (honi soit qui mal y pense).
Juristen und Beamte werden also nicht nur dem beißenden Spott, sondern eher einer gnadenlosen Abrechnung unterzogen. Dies geschieht zum Teil in einem rüden Stil, der sich bisweilen auch der Fäkalsprache bedient, was einen zuweilen an die Tiraden wider die Qualität des deutschen Fernsehens eines Oliver Kalkofe erinnert, die jener in einer Fernsehzeitschrift regelmäßig von der Seele schreibt (deswegen kaufe ich diese Zeitschrift hauptsächlich).
Vielleicht sind diese Ergüsse von Gene Bailly manchmal etwas zu viel des Guten, aber dennoch werden hier die Mechanismen und die Verquickung zwischen Juristen und Beamten, die die Bundesrepublik seit ihrer Konstituierung nun mal begleitet, aufgedeckt.
Sicher, werden einige sagen, das wissen wir doch alles, aber dies wird eben ganz gerne und in einigen Schichten ganz oft verdrängt, daß diese Seilschaft nicht immer den Bürgern zum Vorteil gereicht. Und auch die Medien tragen dazu in hohem Maße bei. Wie sonst lässt es sich erklären, daß ein Film (eines Adligen !) über die Stasi-Vergangenheit der DDR einen Oskar erhält, gleichzeitig aber ein bekannter Altnazi von einem Ministerpräsidenten post mortem zum Widerstandskämpfer wider das Dritte Reich verklärt wird. Hier wiederum sind wir an einem Punkt gelangt, an dem die Satire mal wieder von der Realität eingeholt wird.
Das die deutsche Beamtenschaft, von Bailly 'Zecken' genannt (Schmerzgrenze bei Satire ausloten), alles andere als der 'Business Enabler' der deutschen Wirtschaft ist, sondern man den Eindruck gewinnt, ihre Existenz dient dazu, damit die 'TITANIC'-Redakteure nun wirklich nicht arbeitslos werden, liegt dabei auf der Hand, wenn man einen Blick in die Medien wirft : Klimaschutz und Rentendebakel einerseits gegen Verbot von Flatrate-Trinken und dem geplanten Verbot von Alkoholkonsum an 'weihevollen' Plätzen andererseits (wer noch mal im Straßencafé vor dem Kölner Dom ein Kölsch oder vor der Frankfurter Paulskirche einen Äppler zischen will, sollte sich also sputen). Schilda allenorten !
Einer der Highlights des Buches ist sicherlich die Veröffentlichung eines (fiktiven ?) Insolvenzantrages gegen das Land Baden-Württemberg. Sicherlich erschließt sich erst dem juristisch ein wenig bewandertem Leser alle Feinheiten dieses Antrages. Aber Satire ? Mitnichten, wie jüngst die Insolvenz der Landesbank Sachsen zeigte; wenn eine Landesbank pleite ist, ist auch das dahinter stehende Bundesland pleite.
Zusammenfassend lässt sich sagen daß 'Premium rats' ein Buch für alle ist, die Spaß an einer deftigen Satire haben, und deren Gemüt nicht allzu zart besaitet ist.
P.S. Ich habe diese Rezension über den MS-WORD-Rechtschreib-Editor laufen lassen. Das Wort 'Juristenschaft' kennt er nicht, schlägt aber stattdessen 'Juristenschuft' vor.