Das Buch „Der Preis des Schweigens" ist auf den ersten Blick verlockend, weil es die Erwartung weckt, hier würde ein Manager aus der Industrie, der eng mit dem sogenannten Parteispendenskandal in Verbindung stand, einmal dem Lesepublikum einen Einblick in das Lobbying und die Art und Weise der „Pflege der politischen Landschaft" durch die Wirtschaft geben wollen. Eine solche Darstellung wäre vor allem dann zu begrüßen, wenn sie ehrlich, offen und ohne Verdunkelung der Interessen erfolgte, mit denen die Unternehmen Parteien oder einzelne Politiker finanziell unterstützen. Doch dieses Ziel verfolgt von Brauchitsch nicht, eventuell weil er sich dann selbst nicht mehr so als Ehrenmann würde präsentieren können, wie dies hier durch die Schilderung seines beruflichen Werdegangs geschieht. Eberhard von Brauchitsch legt gleich zu Beginn des Buches klar, dass ihm nicht an Enthüllungen gelegen sei, er keine Schuldzuweisungen machen möchte und weiterhin die Diskretion aufrecht erhalten möchte, die er während des gegen ihn geführten Prozesses gegenüber involvierten aber von Gedächtnisschwund geplagten Politikern gewahrt habe. Die Konsequenz ist, dass an entscheidenden Stellen die Ausführungen unpräzise werden und die Interessen, von denen die Unternehmen sich bei der Pflege der Politiker und Parteien leiten lassen, ausgeklammert bleiben. Im ersten Kapitel geht von Brauchitsch auf die Nachkriegsjahre ein und bedauert, dass er mit niemanden zusammenkam, der ihm das alles, was während der Zeit des Nationalsozialismus an Grausamkeiten passiert ist, hat erklären können. Aus diesem Bedauern heraus hätte es na-hegelegen, wenn von Brauchitsch daraus die Lehren gezogen hätte, und heute über die - selbstverständlich keineswegs in ihrer Tragweite mit dem Nationalsozialismus vergleichbaren, aber dennoch demokratiegefährdenden Praktiken der Parteienfinanzierung offen berichtet hätte. Doch dies geschieht nicht. Von Brauschitsch stellt sich vielmehr als edler Mensch, ja als Märtyrer dar, der vor Gericht die Politiker geschont hat und dafür kein Dank erhalten habe. Sehr merkwürdig mutet auch die These an, die Unternehmen würden von den Parteien zu Schutzgeldzahlungen genötigt. „ Weder die Friedrich Flick KG noch irgendein anderes der mir bekannten großen Unternehmen hätten aus freien Stücken einer politischen Partei Geld zukommen lassen. Bei den Zahlungen an die Parteien handelt es sich vielmehr um Schutzgelder. (...) Das Wohlverhalten der Politiker gegenüber der Wirtschaft war davon abhängig, daß die Wirtschaft ihren Obolus entrichtete" (Seite 104). Mit dieser Argumentation wird eine aktive Rolle der Unternehmen - nämlich mit den Geldzahlungen bei politischen Entscheidungen ihrer Interessen durchzusetzen - bestritten. Die Unternehmen rücken in die Opferrolle, die Parteien werden zum geldgierigen Schreckgespenst. Auch an dieser Stelle wäre dem Autor mehr kritische Ehrlichkeit gegenüber seiner eigenen Rolle angemessen gewesen. In der Darlegung der Vereinigung Deutschlands und der Bewertung des Einigungsvertrages wirkt bei Eberhard von Brauchitsch noch stark das Denken in den Kategorien des „kalten Krieges", ja der sozialistischen Verschwörung gegenüber den freiheitlichen Kräften der Marktwirtschaft nach. Nach seiner Meinung wurden die Vertreter Bonns beim Einigungsvertrag von den Profis aus dem Osten über den Tisch gezogen. So schreibt er auf Seite 261: „Es wäre durchaus denkbar, daß uns im Zuge der Wiedervereinigung 1989/90 auf kaltem Wege doch noch der Sozialmarxismus der SED eingeholt hat". Das Buch ist in den Passagen interessant, wo von Brauchitsch beispielsweise über die Bemühungen berichtet, die Werke im mitteldeutschen Chemiedreieck zu retten. Der Dilettantismus der Treuhand - Anstalt und die unterschiedlich Interessensphären werden hier durchaus sichtbar. Auch die Beschreibung der Ereignisse um die Entführung von Hanns Martin Schleyer und das Engagement von Brauchitsch zu seiner Rettung ist überzeugend. In der Summe ein lesenswertes Buch, das allerdings die Erwartungen, die durch den Titel angesprochen werden, keinesfalls erfüllt.