Den Schriftsteller auf der Buchrückseite als Chandler des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen ist ziemlicher Unfug. Natürlich spielen in "Preis der Schuld" Computer, Internet, Profiler und DNA eine Rolle - zeitgemäß eben. Das alles gab es zu Chandlers Zeiten bekanntermaßen nicht. Die Übereinstimmung ist ein Privatermittler, der in der Ich-Form erzählt. Das wars. Den unvergleichlichen Witz Chandlers findet man in diesem Buch nicht. Während Chandler (wie auch Hammett oder Ross McDonald) seinen Helden berichten läßt ohne dass dieser seine Gefühlswelt darlegt und so den Lesern Interpretationsfreiheit einräumt ist Harveys irischstämmiger Detektiv Kelly jemand der auch erzählt was ihm auf der Seele brennt. Inhaltlich ist das Buch ein flüssig geschriebener, spannender Krimi der die genretypischen Zutaten aufweist: Kollegen und Gegenspieler von einst, Freundin aus der Kindheit, rätselhafte Schönheiten und etliche Kotzbrocken nach Maß. Kein Highlight der Kriminalliteratur aber ein unterhaltsames Buch. Der Autor arbeitet auch als Drehbuchautor und Produzent (u.a. an Cold Files, eine der wirklich besseren Krimiserien) und bringt in die Handlung einen netten Schlenker zu eben "Cold Files", den ich in diesem Zusammenhang ganz witzig finde. Fazit: kein Chandler (wer ist das schon?), aber ein guter Schriftsteller der mit "Preis der Schuld" einen spannenden, zeitgemäßen Krimi präsentiert. Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen, gebe aber vier, weil ich mich immer wieder freue wenn ein Privatdetektiv als Ich-Erzähler fungiert.