Ich habe diesen Film im Kino mit deutscher Synchronisation gesehen und war einigermaßen geschockt. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich mir vorher schon die Trailer in Originalsprache angeschaut habe, aber mir schienen die deutschen Stimmen viel von der emotionalen Tiefe wegzunehmen. Daher habe ich mich entschlossen, nicht auf die deutsche Veröffentlichung zu warten, sondern gleich die Blu-Ray aus England bestellt. Am Film selbst ändert das natürlich nun nichts, der ist in deutscher Sprache auch aufwühlend und erschreckend, trotzdem schafft es die Originalsprache die Bilder noch näher an einen heranzubringen. Ich möchte daher die Käufer der deutschen Ausgabe ermutigen, den Film auch mal im Original zumindest anzutesten.
Die Geschichte von Precious ist in ihrer schrecklichen Hoffnungslosigkeit wahrscheinlich nicht für jeden gut zu vertragen. Precious ist fettleibig und lebt mit ihrer gewalttätigen Mutter zusammen ohne Aussicht auf eine Zukunft. Sie erwartet das zweite Kind von ihrem eigenen Vater und zieht sich dadurch den Hass ihrer Mutter zu. Selten bricht der innere Druck aus ihr hervor und sie wehrt sich, aber die Kraft reicht doch nicht aus, um vor ihrer Mutter, den Problemen, der Gesellschaft nicht doch wieder einzuknicken und alles in sich reinzufressen. Als Ausgleich entstehen in ihr diese Tagträume, in denen sie begehrenswert und hübsch ist und Spaß hat. Ein Kontrast, der das reale Leben noch unerträglicher macht.
Als Precious aufgrund ihrer zweiten Schwangerschaft von der Schule suspendiert wird, gerät sie endlich an Menschen, die ihr helfen wollen. Die Lehrerin für Problemschüler, die Sozialarbeiterin, der Krankenpfleger, der ihr während der Entbindung und auch später noch beisteht, all diese Figuren zeigen, dass es für Precious doch irgendwie einen Ausweg geben könnte ... Aber da ist noch immer die Mutter, die Precious braucht, um Sozialhilfe zu bekommen ...
Ein Film, der in den gezeigten Bildern so herzlos-hässlich ist und dennoch hier und da ganz vorsichtig aufzeigt, dass es irgendwo doch noch Licht gibt, vielleicht. Das Leben ist kostbar - so der Untertitel. Ob Precious das trotz aller Grausamkeiten und Rückschläge annehmen kann?
Der Cast des Films ist perfekt, möchte ich meinen. Die bislang unbekannte Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe macht ihre Sache sensationell gut, die Nebenrolle der Mutter wird von Kommödiantin Mo'Nique so erschreckend gut gespielt, dass sie dafür zurecht den Oscar bekam. Und selbst die Musikgrößen Mariah Carey als Sozialarbeiterin und Lenny Kravitz als Krankenpfleger überraschen durch Unauffälligkeit, ordnen sich ganz dem Film unter.
Wer gern Dramen schaut, der kommt um diesen Film nicht herum. In Amerika hat der Streifen bewiesen, dass er die Massen begeistern und Leute ins Kino locken kann, die nicht nur Actionspektakel brauchen. Schade, dass sich in Deutschland niemand getraut hat, diesen großartigen Film über den Geheimtip-Status hinauszuheben - die vorführenden Kinos musste man doch schon suchen ... Zu viel Problem, zu viel Drama, zu viel schwarze Haut? Dabei sind es solche Filme, die uns manche unliebsamen Realitäten näher bringen, die vielleicht sogar eine gewisse soziale Verantwortung vermitteln können. Ich bin dankbar, dass es Leute gibt, die sich doch noch trauen, solche Filme zu drehen und freue mich, dass der Erfolg ihnen recht gibt, auch wenn andere zweifeln!
Fazit: MUST SEE!!!