Ja, der erste Sammelband von "Preacher" war heftig - alles, was mit Religion zu tun hatte, bekam da sein Fett weg, der schwarze Humor und die bedingungslose Aussprecherei alles häretischen Gedankenguts konnte sanftere Gemüter schon entweder in Rage oder zum Entsetzen bringen.
Dieser zweite Sammelband macht in der gleichen Art weiter, verlegt sich aber auf andere Themen. Immer noch reist Reverend Jesse Custer mit seiner Freundin Turnip, ups, Tulip durch die Lande - bis er auf längst verdrängte Geister aus seiner Vergangenheit trifft. Die Auseinandersetzung mit seiner alten Familie bringt von Sodomie bis Folter alles aufs Brett, was man sich an Perversitäten vorstellen kann - und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, findet sich in diesem Band auch die "Hunters"-Storyreihe, die mit dem herrlichen Jesus deSade dem ganzen noch einen funkelnden Widerlichkeitsstern extra draufsetzt. Wäre da nicht die ganze Zeit dieser unterschwellige, böse Humor, wäre das ganze unerträglich; so weiß man an manchen Stellen nicht, ob man lachen oder heulen soll - oft genug tut man beides zur gleichen Zeit.
Ganz ehrlich, dieser Band brennt sich einem beim Lesen ins Gedächtnis, und auch nach 5 Jahren nach der ersten Lektüre erinnere ich mich überdeutlichst an einige der Stellen daraus, und zwar meist an solche, auf deren Erinnerung ich gut verzichten könnte. Und von welchem anderen Comic kann man das schon sagen.
Masochisten müssen, alle anderen können unbesehen zugreifen.