- Kalifornien, 1979. Bobby Griffith (RYAN KELLEY) ist ein junger Mann, er sieht gut aus, ist beliebt und möchte irgendwann einmal Schriftsteller werden. Klingt nach einem guten Leben, aber dieser Bobby hadert stark mich sich selbst, denn er weiß, daß er "anders" fühlt.
Eines Tages erzählt er seinem Bruder Ed, zu dem er ein gutes Verhältnis pflegt, dass er glaubt schwul zu sein.
Als dieser es entgegen Bobbys Wunsch seiner Mutter Mary (SIGOURNEY WEAVER) erzählt, ändert das ungewollte Coming-Out das gesamte Familienleben.
Mary, eine konservative und streng gläubige Christin, kann sich damit nicht abfinden, denn für sie ist Schwulsein eine Sünde. Sie kritisiert seinen Kleidungsstil, seine Körperhaltung, außerdem hängt sie fort an Bibelferse im ganzen Haus auf und schickt Bobby zu einer Psychiaterin. Er befolgt ihre Bitte, an sich zu arbeiten und mehr zu beten, aber mehr aus Verzweiflung und Anerkennung für seine Mutter, die damit nicht klarzukommen scheint. Bobby aber erkennt, dass er sich nicht ändern kann, er wird zunehmend depressiv, schmeißt die Schule und zieht vorübergehend zu seiner Lieblingscousine nach Portland, um aus dem engstirnigen Umfeld zu entfliehen. Beide verbringen eine gute Zeit miteinander, außerdem lernt Bobby einen Typ namens David kennen, in dem er sich auch verliebt.
Mary reagiert, wie erwartet, alles andere als einsichtig auf seine Beziehung und anstatt sich für Bobby zu freuen, sagt sie ihm noch mal in aller Deutlichkeit, dass sie sich keinen schwulen Sohn wünscht. Als dieser ihr antwortet, sie habe ab sofort keinen Sohn mehr, kontert sie darauf mit einem drakonischen "Bye". Als Bobby daraufhin auch noch seinen Freund mit einem fremden Mann Hand in Hand und lachend aus einem Club davongehen sieht, verliert er komplett seinen Lebensmut und stürzt sich, innerlich gebrochen, rückwärts von einer Autobahnbrücke, wo er von einem Sattelzug überrollt wird.
Nach Bobbys Selbstmord entdeckt Mary sein Tagebuch und versucht im Glauben nach Antworten für sein Verhalten zu finden. Als sie schließlich erkennt, dass Bobbys Homosexualität weder Sünde noch eine simple Wahl des Lebenswandels ist, beginnt sie, sich zunehmend gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Schwulen und Lesben zu engagieren. -
Der Film wurde 2009 für den amerikanischen TV-Sender Lifetime produziert und beruht auf wahre Begebenheiten, Mary Griffith gibt es wirklich, eine Frau, die durch ihr mutiges Engagement in Amerika zur einer Art Gallionsfigur wurde.
PRAYERS FOR BOBBY ist sehenswert, auch wenn ich finde, dass er stellenweise etwas zu pathetisch daherkommt, so ist die Wichtigkeit dieser Thematik natürlich mehr als essentiell. Kein Mensch sollte wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert oder verachtet werden, Liebe ist ein natürliches Bedürfnis. Und wie im Falle Bobby kann man es sich ja auch nicht "aussuchen" wie man ist oder wen man liebt.
Ich wäre allerdings schon gespannt, wie der Streifen aussehen würde, wenn dieser Film für's Kino produziert worden wäre. Das frage ich mich deswegen, weil man dieser Produktion einen gewissen "Fernsehfilm-Charakter" durchaus ansieht. Aus den vorhandenen knapp 90 Min. könnte man locker zusätzlich 30 Min. dranhängen und z.B. die Beweggründe von Mary, die ja zuerst eine überzeugte Gegnerin von Homosexualität ist und dann eine Wandlung zur Aktivistin und Befürworterin durchzieht...im Film wird dieser interessante Aspekt leider zu kurz angeschnitten, finde ich.
Trotzdem, der Film ist gut, die Schauspieler agieren überzeugend, insbesondere RYAN KELLEY und natürlich die wie immer erstklassige SIGOURNEY WEAVER, die ich schon lange sehr verehre.
Das Schlußbild besitzt ebenfalls Symbolkraft: Man sieht Mary zusammen mit ihrer Famile und anderen Eltern beim Christopher Street Day in San Francisco marschieren, als sie am Straßenrand einen jungen Mann sieht, der ihrem verstorbenen Bobby sehr ähnlich sieht. Sie geht zu ihm und umarmt ihn und schließt dabei Frieden mit den Tod ihres Sohnes, mit dem Schwur sich für die Rechte der Schwulenbewegung stark zu machen.