Der "Prayer Cycle" zeigt, wie es gelingen kann, verschiedene musikalische Einflüsse zu einem größeren Ganzen zusammenzuführen.
Basierend auf neun Gebeten ist ein meditatives Werk von großer Ruhe und Schönheit entstanden. Die neun Stücke, in Ton und Tempo sehr ähnlich gehalten sind in ihrer Struktur sehr frei und bilden die Basis für die Gesangslinien verschiedener Sänger. Es ist äußerst spannend, bekannte Stimmen wie Alanis Morisette, Linda Ronstadt, Nusrath Fateh Ali Khan oder Ofra Haza in diesem neuen Kontext zu hören. Die Musik greift zum Teil auf klassische Choralstrukturen zurück, nimmt aber auch arabische Strukturen auf und bedient sich z.T, auch der flächigen Ästhetik von Filmmusiken.
Das "English Chamber Orchestra" spielt souverän und kompakt auf, und der Chor wird differenziert darübergeschichtet.
Zu diesem sakralen Grundklang bilden die Solostimmen einen faszinierenden Gegenimpuls. Afrikanische Sänger wie Salif Keita oder auch Alanis Morisette brechen mit ihren spröde impulsiven Gesängen den fließenden Gesamtklang auf und nähern sich eher der brüchigen Ästhetik arabischer Gebetsgesänge. Hier wird dem harmonischen Orchesterklang ein fast schmerzlicher Kontrapunkt entgegengesetzt, der diese besondere Spannung und Eindringlichkeit erzeugt.
Wem der kirchliche Hintergrund fremd ist, dem stossen möglicherweise die naiven Texte auf, die aber zumeist in fremden Sprachen vorgetragen werden.
Manchmal erheben sich aus dem amorphen Klangebilde klare Melodien, wie das berückend von einer Knabenstimme gesungene "Hope", oder das von Linda Ronstadt gesungene "Benediction", die so klar und schlicht sind als würde sich der Himmel über einem öffnen.
Diese Passagen ordnen das Werk vor allem dort, wo es zeitlweilig etwas unentschlossen und ohne präzise kompositorische Idee herummäandert. Das ändert aber nichts an dem großartigen und eindringlichen Gesamtergebnis, das mit seiner Wucht und Zartheit tiefe Emotionen hervorruft - egal ob man gläubig ist oder nur Freund anspruchsvoller Musik.