Back to the roots heißt es auf dem neuen Crematory-Album "Pray". Das als misslungen zu bezeichnende Experiment mit komplett deutschen Texten auf "Klagebilder" führt das Urgestein des deutschen Gothic Metals glücklicherweise nicht fort und besinnt sich zurück auf Elemente, mit denen sie sich Jahr für Jahr eine wachsende Anhängerschaft aufgebaut haben.
Von einem Aufwärmen alter Alben kann man dennoch nicht sprechen, denn das früher oftmals penetrante Keyboard dient auf "Pray" lediglich zur Untermalung der riffdominierten Songs und der Anteil von Gitarrist Matthias' Gesangspassagen hat deutlich zugenommen. Letztere erinnern oft an die cleanen Vocals des Amorphis-Klassikers "Tales from the thousand lakes" und passen manchmal richtig klasse("Left the Ground"), wirken andernorts aber ein wenig fehl am Platze und schief ("Remember"). Das hohe Niveau, das die ersten beiden Songs mit treibenden Riffs und eingängigen Refrains etablieren, verlieren im Laufe der Scheibe ein wenig an Klasse. Vor allem die langsamen Stücke "Alone" und "Just Words" kommen einem wie Lückenfüller vor, während beim Titeltrack oder "Burning Bridges" der Chorus einfach nicht zünden will. Lediglich "Sleeping Solution", mit Abstrichen "Have you ever" und der hymnische Schlusstrack "Say Goodbye" besitzen noch den Wiedererkennungswert und das songwriterische Gespür, das man von einer Band, die seit fast 17 Jahren im Geschäft ist, erwartet.
Sicher kann man von Crematory keine hochinnovativen Neuerungen oder Abwechslungsreichtum erwarten. Sie ziehen ihr Ding konsequent durch und das ist wahrscheinlich auch im Sinne ihrer Fans. Aber auf "Pray" sind nur die Hälfte der 10 Songs als gut bis sehr gut zu bewerten, dem Rest geht entweder zu Beginn schon oder auf halber Strecke die Puste aus.
Alles in allem gesehen aber eine Platte, die sich (besonders für Fans) lohnt, zu kaufen und zu hören.