Kombinierte Lernprozesse - darum geht es der Autorin in diesem massiven (400 Seiten) Buch. Dabei ist nicht die Kombination von verschiedenen meist computergestützten Medien gemeint wie beim sog. Blended Learning, sondern die Verbindung zwischen dem Lernen "off the job" durch Seminar oder CBT und dem Lernen "on the job" in Transferphasen.
Mit einfachen Anstößen gibt sich Marit Alke dabei aber nicht zufrieden. Sie entwirft ein umfassendes Konzept zur tatsächlichen Verbindung dieser beiden Lernfelder und zum Aufbau der bisher etwas vernachlässigten Seite, den Transferphasen.
Grundsätzliche Überlegungen dazu finden sich am Anfang des Buches in einem Konzeptteil, in dem es um die generelle Problemlage des Transfers von Seminarinhalten, um Ziele und Instrumente geht.
Der darauf folgende "Rollenteil" beschäftigt sich mit den Beteiligten und ihren - der Name sagt es - Rollen: Auftraggeber, Trainer, Teilnehmer, Führungskräfte. Schwierigkeiten und wie man sie als Trainer überwinden kann (z.B. die Haltung von Führungskräften, Mitarbeiterentwicklung wegzudelegieren).
Abgeschlossen wird das Buch durch einen Teil, in dem drei Praxisfälle detailliert dargestellt und analysiert werden: Jeweils mit Konzeption und Struktur und einer Darstellung der eingesetzten Arbeitshilfen.
Über alle Teile des Buches finden sich Schaubilder und Tabellen zur Übersichtlichkeit sowie eine Menge von Arbeitsfragen, Musterbriefen, beispielhalfen Abläufen, Gesprächsleitfäden und ähnlichem. Dieser Praxisbezug ist eindeutig einer der Hauptvorzüge dieses Bandes.
Noch schwerer wiegt aber die Thematik als solche. Praxistransfer, der nicht auf die letzte halbe Stunde eines Trainings beschränkt, sondern strategisch konzeptioniert wird, ist unverzichtbar für nachhaltigen Kompetenzaufbau. Marit Alke zeigt, wie so etwas aufzubauen ist.
Diese Art Lernprozesse verlangen aber vor allem von zwei Beteiligten Einiges: Der Trainer muss zeigen, wie gut er oder sie wirklich ist - jenseits des Ableistens eines Seminars, das er oder sie vielleicht schon 40mal gehalten hat. Wahrscheinlich muss er oder sie sich auch sinnvoll vernetzen mit Coaches oder Online-Tutoren für die Praxisphasen des Lernprozesses. Und die Auftraggeber müssen ihr commitment zu tatsächlicher Veränderung unter Beweis stellen. Zu oft sind Workshops und Seminare mit eingekauften Trainern doch nur Alibi-Veranstaltungen, auf die man dann mit dem Hinweis zeigen kann, es werde ja etwas gemacht. Seltsam nur, dass sich dann auch nach noch so vielen Lernveranstaltungen auch langfristig wenig ändert. Damit kommt man bei Marit Alke jedoch nicht durch. Und das Beste ist: Sie zeigt auch genau, wie es anders geht.
Wie auf dem Cover erwähnt schreibt die Autorin im Hinblick auf Weiterbildungsmaßnahmen für den Aufbau sozialer Kompetenzen. Fachseminare und deren Praxistransfer stehen nicht im Fokus; die Problemlage des Transfers ist dort vielleicht auch nicht so hoch.
Insgesamt: 5 Sterne für eine umfassende und vorbildliche Behandlung der Thematik Praxistransfer... inklusive Hilfen für den Praxistransfer!