Ein stolzer Preis für ein unaufwendig gehaltenes Buch mit gerade einmal 85 Seiten? Gemessen an einer durchschnittlichen Werkstattstunde amortisiert sich der Anschaffungswert aber schon nach einer halben Stunden, wenn man einen SU-Vergaser mit Hilfe des Buches selbst zu justieren lernt. Somit erkennen wir, dass der Anschaffungswert beim Vergleich zum Nutzwert plötzlich gar nicht mehr so hoch erscheint. Nach der Lektüre des Buches von Des Hammill ist es nämlich kein Hexenwerk mehr, sich selbst an einem SU-Vergaser zu vergreifen - möglich sogar für Menschen wie mich, die mehr Schreiber als Schrauber sind.
Von seiner Vorstellung 1959 an bis zum Beginn des SPI-Zeitalters 1992, wurden in der Regel alle von den Bändern laufenden MINIs für die Gemischaufbereitung mit einem Vergaser von SU ausgerüstet. Großvolumigere Sechszylinder Motoren, wie z.B. die des Jaguar E-Type oder diverse Aston-Martin-Modelle, erhielten sogar drei SU-Vergaser an die Ansaugbrücke. Hier zeigt sich dann die hohe Kunst des Synchonisierungs dieser drei Vergaser, damit alle gleichmäßig den Motor befüllen, ohne dass ein Vergaser einen anderen „mitschleppen" muss. Wohldem also, der einen MINI, bzw. einen britischen Motor mit nur einem Vergaser besitzt - er erspart sich viel Zeit und Nerven!
Sachlich und für den Laien nachvollziehbar und gut verständlich führt Des Hammill in die Funktionsweise des Querstromprinzips der SU-Vergaser ein. Und weil gerade bei technischen Konstruktionen ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, unterstützen zahlreiche Fotografien, Zeichnungen und Schnitte dort wo es wichtig ist die Begrifflichkeiten, wie z.B. die Vergaserzustände bei verschiedenen Drehzahlzuständen. Es ist regelrecht spannend zu lesen und noch mehr zu staunen, wie viel „Knoff-Hoff" in solch einem kompakten Bauteil wie einem Vergaser steckt. Und plötzlich versteht man auch, weshalb Bruchteile von Millimetern am Durchmesser der sogenannten Vergasernadel über einen gesunden oder kränklichen oder sogar zerstörerischen Motorlauf entscheiden können. Und warum z.B. Weber-Vergaser mit einem hohen Luft-Durchsatzvolumen an kleinvolumigen Motoren (wie die des MINI) wenig bis gar keinen Sinn machen, weil ein Motor, wenn er konstruktionsbedingt (kleiner Hubraum) nicht mehr Luft „durchpumpen" kann, als ihm der Vergaser liefert, auch keine Mehrleistung abwerfen kann, egal wie groß der Vergaser ist. Im Kapitel „Umbauten für den Motorsporteinsatz" verdeutlicht der Autor, dass man für Renneinsätze nicht auf Weber-Vergaser zurückgreifen muss, wenn man über korrekt kalibrierte und durch kleinere Modifikationen optimiertere SU-Vergaser verfügt. Die typische SU-Eigenschaft, äußerst ökonomisch mit Treibstoff umzugehen, ist dann allerdings nicht mehr unbedingt gegeben.
Die Inhalt in den Kapitelüberschriften dargestellt: 1. Funktionsprinzip des SU-Vergasers - 2. Ansaugkrümmer - 3. Festlegen der Vergasergröße - 4. Düsennadeln - 5. Abändern von Düsennadeln - 6. Auswahl von Düsennadeln - 7. Reihenfolge der Arbeitsgänge zur Vergasereinstellung - 8. Düsenbestückung an serienmäßigen mit SU-Vergasern ausgestatteten Motoren - 9. Düsenbestückung an nicht serienmäßigen mit SU-Vergasern ausgestatteten Motoren - 10. Umbauten für den Motorsporteinsatz - 11. Vorlage für Diagramme zur Bearbeitung des Düsennadelprofils.
Fazit: Nicht nur für die Wissenerweiterung der Profis, sondern gerade für Vergaser-Novizen mit dem festen Vorsatz, zu verstehen, was in der Gemischaufbereitung ihre Motors vor sich geht, diese selbst zu optimieren und zu warten, ein absolut notwendiges und verständliches Buch. Ich jedenfalls werde mich nun mit einem weitaus sicheren Gefühl an die beiden SU-Vergaser meines MGB GT wagen.