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Kapitel 1 beschäftigt sich mit der strategischen Prozessorganisation. Hierunter versteht der Autor ein Konzept, bei dem die Unternehmensprozesse identifiziert werden und klar auf die Markt- und Wettbewerbsstrategien ausgerichtet werden. Dabei gibt er zahlreiche konkrete Entscheidungshilfen, wann unternehmensübergreifende Prozessvisionen wie beispielsweise Shared Service Center oder Business Process Outsourcing tatsächlich strategiekonform greifen. Auch wird das Geheimnis gelüftet, was sich hinter dem Schlagwort prozessorientierte Aufbauorganisation eigentlich wirklich verbirgt und wann diese Organisationsform sinnvoll ist. Die Frage nach Kernprozessen erregt in Unternehmen die Gemüter. Jeder Bereich findet seine zu verantwortenden Prozesse besonders wichtig. Mit Techniken wie der Prozessportfolioanalyse liefert das Werk einen konkrete Handlungsanleitungen, Prozesse zu priorisieren und Kernprozesse zu identifizieren.
In Kapitel 2 steigt das Praxishandbuch in die Tiefen der Modellierung, Analyse und Gestaltung einzelner Prozesse ein. Dabei verfolgt der Autor klar den Zweck, Prozesse zu dokumentieren, um sie zu optimieren und den Betroffenen vertraut zu machen. Es wird viel von Prozesszielen wie Qualität, Kosten und Zeit in der Praxis geredet, selten finden sich Ansätze, wie diese Kennzahlen konkret ermittelt werden. Hier ist das anders. Im Buch werden mit der Variantenzahl und dem First Pass Yield Berechnungsverfahren aufgezeigt, mit deren Hilfe man die Qualität von Prozessen beziffern kann. Auch die genaue Berechnung der Durchlaufzeit hilft, die Liegezeit als entscheidenden Zeitfresser zu entlarven. Ausführlich werden die verschiedenen Ansätze der im Dienstleistungsbereich zunehmend wichtiger werdenden Prozesskostenrechnung dargestellt. Die Prozessziele sind dann auch die Maßstäbe dafür, welche der dargestellten prozessualen, technischen und personellen Gestaltungsansätze welche Prozessverbesserungen bringen.
Prozesse zu gestalten ist brotlose Kunst, wenn man es im Anschluss nicht schafft, die Veränderungen in der täglichen Praxis zu leben. Mit der Kontinuierlichen Prozessoptimierung stellt der Autor in Kapitel 3 eine Methode und Techniken vor, wie man die vereinbarten Prozesskennzahlen aus den laufenden Abläufen permanent ermitteln und einhalten kann. Dabei schätzt FISCHERMANNS realistisch ab, welche der momentan diskutierten Messverfahren tatsächlich sinnvoll sind. So lohnt sich beispielsweise das echtzeitbasierte Prozessmonitoring nur für automatisierte Routineprozesse. Diese decken jedoch in Unternehmen in der Regel nur 10 Prozent des gesamten Prozessvolumens ab. Für alle anderen nur teilweise technisch unterstützten Prozesse liefert das Praxishandbuch alternative Erhebungstechniken wie das Multi-Moment-Monitoring oder den elektronischen Laufzettel. Weniger ist Mehr lautet die Devise beim adressatengerecht aufgebauten Prozesscockpit. Der Erfolg des permanenten Prozesscontrolling steht und fällt in der Praxis damit, ob Zuständigkeiten für Prozesse in Unternehmen angemessen verankert sind. Bei der Frage, wie Prozessverantwortliche, Processowner oder Prozessleiter mit Kompetenzen ausgestattet werden müssen, damit sie in hierarchischen Strukturen ihren Job machen können, merkt man den Praxisbezug und die langjährige Erfahrung des Autors besonders.
Mit dem Prozessmanagement-Assessment in Kapitel 4 schließt FISCHERMANNS eine bisher in Wissenschaft und Praxis bestehende Lücke. Hier wird ein praktikables Instrument an die Hand gegeben, mit dessen Hilfe man sein Prozessmanagementsystem im eigenen Haus bewerten kann. Mit vier Checklisten kann man die 30 Themen der vier Konzepte des ibo-Prozessfensters nach einem einheitlichen Schema bewerten (O-M-E-G-A-Reifegradstufen). Auf Basis dieses Stärken-/Schwächenprofils lässt sich dann ein Maßnahmenbündel entwickeln, das die Prozessarbeit effizienter werden lässt. Sehr hilfreich ist hierbei die kosten-nutzenmäßige Bewertung von Prozessmanagement-Konzepten, bestehen doch häufig in der Praxis Zweifel, ob sich solche Managementansätze auch rechnen. Wie bei jedem Konzept steht und fällt der Erfolg mit der Einführung. Neben den kulturflankierenden Maßnahmen sticht hier vor allem das Personalentwicklungskonzept mit differenzierten Vorschlägen zur Qualifikation unterschiedlicher Prozessbeteiligten hervor. Schließlich macht sich der Autor für ein Prozessoffice stark, welches zentral für die Methoden und Standards rund um die Prozessorganisation zuständig ist.
Das Buch schließt mit 4 Praxisfällen aus unterschiedlichen Branchen. Besonders erwähnenswert ist das sorgfältige aufbereitete Stichwortverzeichnis, das dem Handbuchcharakter alle Ehren macht. Mit dieser 6.völlig neu geschriebenen Auflage knüpft Fischermanns nahtlos an den Erfolg des bisher über 20.000 Mal verkauften Standardwerkes an. Wie bei den bisherigen Ausgaben überzeugen die verständliche Sprache, der ständige Praxisbezug sowie die unzähligen konkreten Beispiele und Handlungsempfehlungen. Man merkt, dass das Praxishandbuch von einem Autor von vorne bis hinten durchgeschrieben ist. Bei anderen Nachschlagewerken mit vielen Autoren, ist jeder für sich genommenen sicherlich Experte, häufig fehlt aber die Abstimmung der Themen untereinander. Dies ist hier optimal: Das ibo-Prozessfenster als Orientierungsmodell erleichtert zu jedem Zeitpunkt die Einordnung der vielen einzelnen Prozessthemen, deren Summe ein einheitliches Ganzes ergibt. Und dieses Mal gibt es mit den 511 Seiten doppelt so viel Inhalt wie in den vorherigen Auflagen. Aber immer noch zum fairen Preis von 32 Euro. Ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis.
Für Alle, die ihr Unternehmen prozessorientiert ausrichten sowie Prozesse effizient gestalten und kontinuierlich optimieren ein Muß! -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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