IT - mehr Theorie als Praxis
Das 'Praxishandbuch IT im Gesundheitswesen' von Johner und Haas wendet sich laut Vorwort ('Die Mission dieses Buches') an einen sehr breiten Leserkreis von Pflegekräften über Ärzte und Betriebswirte bis hin zu Medizincontrollern und Qualitätsmanagern. Dies insofern zurecht als diese sehr umfassende Übersicht kaum einen IT-Aspekt im Gesundheitswesen unberücksichtigt lässt.
Wortwahl und Syntax sind einfach und klar, so für jeden verständlich, den Inhalten merkt man aber an, dass Universitätsprofessoren die Herausgeber in einem hochkarätigen akademischen Autorenteam sind: Selbst Hochschulabsolventen werden intellektuell erheblich gefordert, Ärzte mit eher handwerklichen, kommunikativ-emotionalen und musischen Neigungen werden mit dem Buch weniger anfangen können ' aber die interessieren sich ohnehin meist nicht sehr für IT.
Dabei bietet das Buch einen sehr umfassenden Einstieg ins Thema, der fast bei Adam und Eva beginnt. Teil I erklärt wie Software basierend auf theoretischen Modellen entwickelt, getestet und integriert wird. Teil II ' vor allem für die ahnungslosen Mediziner wichtig ' führt in Grundlagen von Betriebswirtschaft und Management ein, Teil III stellt das Gesundheitswesen strukturiert dar vom Controlling über Behandlungspfade bis hin zum QM. Der Kernpunkt des Werkes wird in Teil IV erreicht, der sich mit Informationssystemen im Gesundheitswesen befasst. Dabei kommen sowohl Krankenhaus- wie auch Praxisinformationssysteme, Systeme für verschiedene Fachrichtungen bis hin zur Apotheke und Informationssysteme der Krankenkassen zur Sprache. Weitere Kapitel haben Management von Bilddateien, Telematik und Schnittstellenproblematik (HL7, DICOM) zum Thema. Teil V behandelt vor allem rechtliche Aspekte von IT-Strukturen und Softwarenutzung.
Teil VI ist dem IT-Management (IT-Controlling, IT-Service-Management und Projektmanagement gewidmet, während der letzte Teil VII wieder allgemeiner ' aber für davon ebenfalls eher unbeleckte Mediziner sehr interessant ' Theorie und Praxis von Kommunikation, Führung und Personalmanagement anreißt.
Neben sehr fundierten theoretischen Ausführungen enthält das Buch auch ganz praktische kochrezeptartige Anleitungen. Beispiel: Vorgehen für den Anschluss eines MVZ an ein KIS.
Schriftbild und Gliederung sind klar, Grafiken und Tabellen einigermaßen gut zu erfassen, für heutige Seh- und Lesegewohnheiten wirkt jedoch das rein schwarz-weiße Druckbild ebenso wie die Umschlaggestaltung recht fad. IT-Wissenschaftler sind halt keine Grafiker und Augenmenschen, sondern abstrahierende Intellektuelle, die das Wesentliche herausarbeiten wollen. Das ist hier auch gelungen.
Ausstattung und Bindung sind gut.
Fazit: Ein sehr elaboriertes, gut strukturiertes und umfassendes Werk der IT im Gesundheitswesen, das allerdings (aus Sicht eines Arztes) einen Leser voraussetzt, der bereit ist mit viel Gehinschmalz und Zeit tief einzusteigen.