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2.0 von 5 Sternen
Ein Überblick und viel Werbung für einen Berufsverband, 19. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Praxisführer Psychotherapie (Broschiert)
Der Autor liefert in seinem Praxisführer einen guten und verständlichen Überblick über die gebräuchlichsten und fachlich fundiertesten Formen der Psychotherapie. Er bleibt dabei knapp, präzise und verständlich, wie man es von einer guten Einführung erwarten kann. Nachvollziehbar und sinnvoll ist auch die Warnung vor schwarzen Schafen mit teilweise obskuren Methoden und sektenhaften Verhalten, die sich in der "Psycho-Szene" tummeln.
Unverständlich ist mir jedoch, warum er immer wieder - direkt und indirekt - die Notwendigkeit des Psychologiestudiums für eine Tätigkeit als (guter) Therapeut betont ohne auf andere Berufsgruppen einzugehen, die ebenfalls im psychosozialen Feld tätig sind. Sicher ist es so, dass in der Regel nur Ärzte und Psychologen über Krankenkassen abrechnen können. Dann wäre aber auch die Erwähnung der beiden abrechenbaren Verfahren ausreichend gewesen. Befremdlich wirkt auch der häufig wiederkehrende Hinweis auf den Berufsverband Deutscher Psychologen und Psychologinnen, der sicher ein maßgeblicher, aber doch nur einer von mehreren relevanten Verbänden ist.
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4.0 von 5 Sternen
Welche Therapien gibt es? Wer therapiert? Wer wird therapiert?, 21. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Praxisführer Psychotherapie (Broschiert)
Der "Praxisführer Psychotherapie" von Siegfried Brockert enthält über 330 Seiten Informationen zum Thema Psychotherapie und ist daher - meiner Meinung nach - seinen Preis auf jeden Fall wert. Brockert, der Begründer der Zeitschrift "Psychologie heute" richtet sich mit seinem Buch vor allem an Laien, die bezüglich der Psychotherapieangebote "den Wald vor lauter Bäumen" nicht mehr sehen. In einer sehr verständlichen Sprache (vom Niveau entsprechend der Psychologie heute, demnach keine explizite Fachliteratur) gibt Brockert einen groben Einblick in die wichtigsten Therapieverfahren, klärt auf, wer sich Psychiater, Psychotherapeut und Psychologe nennen darf, aber auch, was ein Mensch selbst tun kann, um seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun: angesprochen wird der Bereich Gesundheitspsychologie, der sich mit Themen wie z. B. Nichtrauchertraining und Stressbewältigung befasst.
Aber was ist überhaupt "Gesundheit"? Der "Praxisführer Psychotherapie" orientiert sich an folgender Definition, die auch ich sehr treffend finde: "Gesundheit ist ein Zustand, der den Menschen in die Lage versetzt, körperlich und seelisch ohne wesentliche Einschränkungen, privat, beruflich und gesellschaftlich am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben und teilzunehmen". Somit ist Gesundheit nicht einfach nur die Abwesenheit von Krankheit. Zudem hat Gesundheit auch etwas mit Psychischem und Sozialem zu tun.
Im Gegensatz zu anderen Rezensenten kann ich im "Praxisführer Psychotherapie" keine Werbung für diesen Berufszweig erkennen! Zugegeben wird auffallend häufig empfohlen, einen psychologischen - und nicht einen ärztlichen - Psychotherapeuten aufzusuchen. Diese Meinung vertrete ich auch nicht zu 100 Prozent, auch wenn mein Berufsziel der psychologische Psychotherapeut ist, denn selbstverständlich gibt es auch sehr empfehlenswerte ärztliche Psychotherapeuten! Das Ausbildungsargument, das Brockert als Grund für seine Meinung aufführt, kann ich jedoch nachvollziehen - denn es ist nicht der Arzt, der sich mindestens fünf Jahre lang mit dem Erleben und Verhalten des Menschen auseinander setzt, sondern es ist nun mal wirklich der Psychologe ...!
Das Buch soll - laut Text auf der Rückseite - helfen, das richtige Therapieverfahren zu finden. Ich muss jedoch betonen, dass es für akute Fälle sehr ungeeignet ist. Wer dringend eine Therapie braucht, wird kein 336-Seiten-Buch durchlesen können, schon gar nicht, wenn er sich womöglich inmitten einer Depression befindet. Zudem bin ich mir nicht sicher, ob es bei der Suche nach dem "richtigen" Therapieverfahren für sich selbst ein großer Helfer ist. Es gibt zwar einen sehr (!) guten Überblick über die einzelnen Verfahren, aber es kann nicht das Erstgespräch bei einem Therapeuten oder Psychiater oder in einer Beratungsstelle (= Psychologe) ersetzen, aus dem unter Umständen schon eine Empfehlung resultiert. Wenn nicht nach dem ersten Gespräch, dann ist sicher nach dem zweiten oder dritten Gespräch mit einem Experten eine Empfehlung von dessen Seite möglich, ob der Betroffene/Patient lieber ein tiefenpsychologisches, ein verhaltenstherapeutisches oder ein anderes Verfahren in Angriff nehmen sollte. Und vergessen Sie nicht: die ersten fünf Gespräche sind (noch und hoffentlich auch in Zukunft) kostenlos - in der Zeit können sie einen oder mehrere Therapeuten "testen"!
Leider habe ich auch ein wenig negative Kritik anzumerken. Das Buch erschien im Jahre 2000 und ist schlichtweg ein wenig veraltet. Nicht dramatisch (es gibt z. B. seitdem keine neuen Gesetze oder Verfahren o.ä.), aber für jemanden, der sich tagtäglich mit diesem Thema befasst, ist dies schon auffallend. Hiermit meine ich beispielsweise Dinge wie dass im "Praxisführer Psychotherapie" nur zwei Arten von Essstörungen aufgelistet werden, wobei es inzwischen drei bzw. vier gibt (man ist gerade dabei, die vierte Art der Essstörung anerkennen zu lassen). Zudem galten damals bestimmte Arten sexueller Vorlieben noch als "Störungen", was heute schlichtweg nicht mehr so gesehen wird (Beispiel: Fetischismus). Zudem erschien dieses Buch kurz nach dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes; die Situation (zwischen Ärzten und Psychologen) hat sich seitdem ein klein wenig entspannt. Manche Ansichten haben sich ebenso geändert, so kann beispielsweise nicht mehr behauptet werden, dass psychologische Psychotherapeuten etwas gegen Psychopharmaka hätten, wie es in diesem Buch den Anschein hat. Psychologische Psychotherapeuten und Psychologen dürfen zwar im Gegensatz zu ärztlichen Psychotherapeuten und Psychiatern keine Medikamente verschreiben (da sie Psychologie und nicht Medizin studiert haben), dennoch können sie den Patienten an einen Arzt verweisen, wenn sie eine Pharmakotherapie als indiziert ansehen. Dies ist heute meines Wissens Alltag.
Alles in allem vergebe ich 4 Sterne, denn dieser "Praxisführer" ist ein nettes Nachschlagewerk für nicht allzu viel Geld!
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