Mit der dritten Welle" wurde die Verhaltenstherapie vom Kopf auf die Füße gestellt und die Praxis der Verhaltenstherapie noch einmal wesentlich bereichert.
Die neuen Entwicklungen haben das interaktionelle Geschehen und die Intentionen und Zielsetzungen der Therapie in den Fokus gerückt und somit das Verständnis von Verhaltenstherapie verändert; diese Veränderungen nimmt der Autor auf und erleichtert es den praktisch tätigen Verhaltenstherapeuten, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Denn um als Verhaltenstherapeut auf der Höhe der Zeit zu sein, ist es notwendig, diese neuen Sichtweisen in das praktische Vorgehen von der Kontaktaufnahme zum Patienten über die Therapieplanung bis zur Entscheidung und Anwendung von therapeutischen Interventionen zu integrieren.
Das Praxisbuch" verspricht nicht zu viel; es hilft, diese Entwicklungen nachzuvollziehen und für den Therapieprozess nutzbar zu machen. Es ist unterteilt in eher theoretische Kapitel (Biografische Analyse, Beziehung, Motivation, Störungsmodell, Therapieziele und -planung (mit einem Beitrag von Eckhard Roediger zur Einbeziehung von Psycho-pharmaka)), wobei auch hier immer ein Praxisbezug hergestellt wird, und eher anwendungsbezogene Kapitel (Erstkontakt, Probatorik mit Antragstellung, Therapie-durchführung, Basistechniken).
Gerhard Zarbock ist als Ausbilder, Supervisor und Gutachter mit den Schwierigkeiten vertraut, die (junge) Therapeuten haben, psychologisches Wissen in die Therapiepraxis umzusetzen. Mit seinem Buch ist ihm eine sehr nützliche Arbeitshilfe gelungen: Die Schritte vom Erstkontakt bis zum Abschluss der Therapie werden konkret beschrieben, Arbeitsmaterialien im Anhang zur Verfügung gestellt und häufige Fehler, besonders im Bericht an den Gutachter, an Fallvignetten aufgezeigt.
Mit der Beschreibung einer biografisch-systemischen Verhaltenstherapie gelingt es dem Autor, ein zeitgemäßes Modell von Psychotherapie zu entwerfen; er schafft es, die Komplexität des psychotherapeutischen Geschehens durch prägnante Abhandlung der neueren Entwicklungen, besonders zur Bedeutung der Biografie unter Berücksichtigung von Grundbedürfnissen, entwicklungspsychologischen Aspekten, Persönlichkeitszügen usw., darzustellen und deren Integration in die Verhaltenstherapie gut nachvollziehbar zu beschreiben. Konsequent stellt er zudem verhaltenstherapeutische Basistechniken unter dem Gesichtspunkt des neuen Verständnisses dar, angefangen mit Validierungs-techniken, über Emotionsregulierung bis zu Akzeptanzstrategien.
Meines Erachtens ist mit diesem mit 29,- recht preiswerten Buch von 480 Seiten das selbst gesteckte Ziel, einen Reiseführer" für die ersten Schritte im Land der Verhaltenstherapie und ein praktikables Kochbuch" ... für die Therapiepraxis zu schreiben" wirklich erreicht; wir beziehen es nun in die Ausbildung unserer Psychotherapeuten mit ein. Es wird dazu beitragen, dass Verhaltenstherapeuten zukünftig das vorhandene Know-How besser umsetzen.
Manchem Leser mag die theoretische Abhandlung der neueren Entwicklungen bezüglich Grundbedürfnisse, Bindung, Emotionen und Schemata oder auch die Beschreibung der Basistechniken zu knapp ausgefallen sein, so aber ist dieses Buch auch für Praktiker ein Gewinn, die diese Theorien und Interventionen wohl kennen, hier aber eine prägnante Anregung zur Anpassung und Weiterentwicklung der eigenen Praxis erhalten.