Meine Ausgangsposition beim Lesen dieses Buches: Ich muß von Berufs wegen viel mit Menschen kommunizieren, dabei muß ich in der Regel die aktive Rolle spielen und das Gespräch führen. Ich beschäftige mich aber auch privat mit Kommunikation und Psychologie, liebe die Sprache und ihre feinen Nuancen und habe einige der Standard-Kommunikationsbücher gelesen, zB – immer wieder erhellend - Friedemann Schulz von Thun: Miteinander Reden, mit seinem Vier-Ohren-Modell.
Trotz meiner theoretisch und praktisch schon vorhandenen Kommunikationserfahrung hat mich dieses Buch weitergebracht. Vor allem, weil es die Freude am Miteinander-Reden in den Vordergrund rückt und wirklich zahllose praktische Vorschläge macht, wie man mit Menschen ins „Kleine Gespräch“ kommt und wie man – einmal ins Gespräch gekommen – den Faden nicht verliert.
Von der Idee her schlagen Hesse/Schrader vor, sich Small Talk als eine Spielsituation vorzustellen – nach dem Motto: Rein ins Vergnügen und man kann eigentlich nur gewinnen, in jedem Fall hat man Spaß. Dies ist für viele Leser sicher hilfreich und nimmt jedenfalls von Vornherein alles Angestrengte und Verkrampfte aus dem Thema. Zunächst werden in einem Abschnitt „Die Spielanleitung oder Wie Sie Ihre Small-Talk-Fähigkeiten erfolgreich ausbauen können“ auf ca. 75 Seiten konkrete STRATEGIEN für konkrete praktische Situationen vorgestellt, z.B.: „Wie Sie mit Minimalfragen einen Small Talk voranbringen“; „Worauf es beim Komplimentemachen ankommt“, „Wie Sie selbst auf Komplimente reagieren sollten“; „So überbrücken Sie Schweigepausen“ und „Wie Sie reagieren, wenn Ihnen zu einem Thema nichts einfällt“... Auf weiteren ca. 30 Seiten unter der Überschrift „Die Spielsituationen oder Wie Sie sich in den unterschiedlichsten Bereichen des Alltags und der Arbeitswelt als souveräner Small Talker bewegen“ werden verschiedene Small-Talk-SITUATIONEN beleuchtet, z.B. „Im Supermarkt“; „Im Wartezimmer“, aber auch „Small Talk mit dem Chef“ und „Small Talk mit Geschäftspartnern“. Auf diese Weise bekommt man ein gutes Gefühl für die vielen Übungsmöglichkeiten, die einem das Leben jeden Tag bietet, und die man doch so oft ungenutzt läßt... Und in einem weiteren, ca. 40-seitigen Abschnitt „Das Spielmaterial oder Über was man so alles reden kann...“ werden THEMEN und mögliche Einstiegsfragen vorgestellt, z.B. „Wetter“ (jaaa, Wetter!); „Einkaufen“; „Wohnen“; „Sport“; „Filme“; „Musik“ – insgesamt 32 verschiedene Themen mit jeweils 9 bis 30 Fragen. – Strategien, Situationen, Themen - alles sehr einleuchtend, alles sehr praktisch, und man bekommt beim Lesen Lust, es sofort selbst auszuprobieren. Am Schluß steht eine Checkliste mit 17 Fragen, die einem helfen kann, das eigene Small-Talk-Verhalten nach vollbrachter Übung zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten für das nächste Mal zu erkennen. Die wichtigsten Thesen des Buches werden noch einmal in „20 Denkanstößen“ zusammengefaßt und auch eine kleine Literaturliste fehlt nicht.
Das Buch ist insgesamt in einem flüssigen, leicht lesbaren Stil geschrieben – durchaus geeignet zum „Durchlesen“. Der Aufbau ist schlüssig, die einzelnen Abschnitte sind weder zu lang noch zu kurz. An den richtigen Stellen gibt es praktische Beispiele, ohne daß diese zu viel Raum einnehmen würden. (Es gibt Ratgeber-Bücher, die NUR aus einer Aneinanderreihung von praktischen Beispielen bestehen, aus denen man dann lernen soll – die finde ich anstrengend, und so ist der Hesse/Schrader nicht). Und: Das Buch liegt angenehm in der Hand, die Gestaltung ist sympathisch zurückhaltend - keine bunten Bildchen, keine Grafiken, sondern nur Text, unterbrochen bloß durch grau unterlegte „Übung“-Kästen, die zur praktischen Anwendung des soeben Gelesenen auffordern. Aber die Bilder fehlen ganz und gar nicht, vielmehr laden Text und saugfähiges Papier zum Arbeiten-mit-dem-Buch ein, es schreit förmlich nach Textmarker oder wenigstens Bleistift...
Fazit: Wer das Gefühl hat, seine Small-Talk-Fähigkeiten seien steigerungsfähig und die Verbesserung aktiv angehen will, ist mit diesem Buch gut beraten – ob mit oder ohne theoretische Vorbildung.