Bereits in dem 1993 im Humboldt-Taschenbuchverlag München veröffentlichten Erstlingswerk >Das große Yoga-Buch< von Reinhard Bögle ging es vor allem um die Marmas, >jene genau definierten Orte am Menschen<, die (in der Formulierung Bögles) als >lebensentscheidende Regulationszentren< gelten. Die Kenntnis von diesen Vital- bzw. Schwachpunkten ist primär ein Spezialgebiet des Ayurveda und spielte seit jeher auch in der asiatischen Kampfkunst eine Rolle.
Die wörtliche Übersetzung für das Sanskrit-Wort >Marma< oder >Márman< ist 1. Gelenk und 2. schwache Stelle.
Die Verbindung von Marma und Yoga geht auf den aus Indien stammenden und seit den 1960er Jahren in München lebenden Gesundheitspädagogen Roque Lobo zurück, der die Marma-Yoga als >Wort-Bild-Marke< patentieren ließ (!) und daraus wiederum sein >Shake-speare Aktivierungstraining< entwickelte.
Reinhard Bögle hat seinem (Marma-Yoga-)Buchkonzept von 1993 nun den Titel >Ayurveda-Yoga< verpasst, eine Etikettierung, die in etwa so viel Sinn macht wie die Bezeichnung >Lebenskunde-Yoga<.
Zudem trifft die titelgebende Bezeichnung nicht zu, denn im Buch selbst geht es nicht um die Verbindung dieser beiden komplexen Systeme, sondern es geht um ein Teilgebiet des Ayurveda, das in der Übungspraxis des Yoga in den Mittelpunkt gerückt wird. Das bedeutet konkret, man fokussiert während des Übens von Asanas ausgewählte Vital- bzw. Schwachpunkte, wie zum Beispiel Sehnen-Marmas, Gelenk-Marmas, Muskel-Marmas, Knochen-Marmas oder Blutgefäß-Marmas.
Auch wenn >Ayurveda-Yoga< auf dem Cover steht, so ist in diesem Buch doch wieder nur die (ursprünglich streng geheime) Lehre von den Marmas enthalten. Uninteressant ist dieses Marma-Konzept keineswegs, wie Pan Nalin sehr eindrucksvoll in seinem Dokumentarfilm >Ayurveda - Art of Being< zeigt, doch für die regelmäßige Yogapraxis ist die Fixierung auf vorgegebene Vital- bzw. Schwachpunkte eher ungeeignet und im dargestellten Umfang und vor allem durch die Wiederholung auch redundant.