'Praxisbox' ' was ist das? Hammer, Zange, Schraubendreher, Zollstock? Oder Spielzeug?... Der Name macht neugierig; erst recht, da eine der AutorInnen kürzlich ein Buch zum selben Thema veröffentlicht hat (M. Oboth und G. Seils: 'Mediation in Gruppen und Teams', 2. Aufl. 2006).
Neu ist in der Tat vieles, neben der Form, an diesem Werk:
· eine Fülle an weiteren Moderations-Methoden (insgesamt an die 50!)
· rund 30 'Spickzettel' mit den Bereichen 'Schlüsselsätze' für die Moderation, 'Checklisten' und 'Modelle' (Kurzdarstellungen von Konflikterklärungsmodellen, einsetzbar in Phase III der Mediation)
· 14 Übungen plus 4 Rollenspiele, die MediatorInnen in Trainings- und Intervisionsgruppen durchführen können, mit Schwerpunkt auf den zentralen Künsten der GFK: Gefühle und Bedürfnisse heraushören, empathisch aufnehmen und in Worte fassen
· bei jedem Thema Querverweise auf andere Karten, auf das Buch von Oboth/Seils und auf andere Literatur sowie eine Materialübersicht
Thema und Ansatz sind identisch. Die insbesondere von M. Oboth entwickelte und seit Jahren in Ausbildungen weiter gegebene Mediations-Methode für Mehrparteien-Konflikte wird in der gewohnten Qualität dargestellt. Einfache und klare Sprache, Gründlichkeit in den Details, Systematik der Darstellung und Lebendigkeit durch wörtliche Rede bei den Moderationsbeispielen, sehr hohe Dichte an Information. Mich fasziniert, wie hier aus dem konsequent bis ins Detail und somit glaubwürdig aus dem Geist der Gewaltfreien Kommunikation heraus geschrieben wird. Ausrichtung auf die Bedürfniserfüllung aller ' der MandantInnen wie der MediatorInnen ' wird plastisch. Empathie für alle sowie Eigenverantwortung der Teilnehmenden werden bei jedem Prozessschritt groß geschrieben.
Wer wütend, unruhig oder aggressiv wird, braucht Empathie und keine Ermahnung; wer viel(e) auf einmal im Blick hat, braucht wahrscheinlich Unterstützung; wer starke Gefühle erlebt hat, braucht Möglichkeiten sich auszudrücken oder eine Pause, usw. Die Teilnehmenden werden bei jedem Prozessschritt eingeladen, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen; Verfahrensweisen werden von den MediatorInnen vorgeschlagen und im Einvernehmen ausgewählt; für die aktive Beteiligung möglichst vieler werden vielerlei Formen, oft mitzusätzlichen Varianten, vorgestellt.
Was spricht für die andere Präsentationsform: DIN-A-5-Karten mit Seitenzahlen in einem Karteikasten?
· Farbiges Leitsystem und Symbole unterstreichen die durch Zahlen und Buchstaben bereits übersichtliche Systematik.
· Fröhliche farbige Illustrationen (St. Ulrich) und angenehme Haptik lassen auch die rechte Gehirnhälfte der LeserInnen mitlernen und -lächeln.Freude erleichtert die Arbeit!
· Man kann einzelne Karten als Spickzettel heraus- und zur Mediation mitnehmen; Herausschreiben oder Mitschleppen von Büchern entfallen.
Vielleicht würde ein Daumenregister das (Wieder)Auffinden einzelner Themenbereiche erleichtern.
Fazit: Preis gerechtfertigt! Gut für versierte ModeratorInnen mit GFK-Kenntnissen; auf einen Griff haben sie Material zum Gedächtnis Auffrischen oder zum neu Ausprobieren in der Hand. Da die Beschreibungen auf alles eingehen, was man bei der Vorbereitung einer Mehrparteien-Mediation bedenken muss, könnten wohl auch AnfängerInnen in Ko-Mediation damit arbeiten.