Trotz der immensen Häufigkeit von Schlafstörungen in der Allgemeinbevölkerung war die Schlafmedizin vor 20 Jahren eher eine Insiderfach, auch bedingt durch die geringen therapeutischen Möglichkeiten. Das hat sich durch das inzwischen selbst unter der Laien weit verbreitete Wissen um die mit eindrucksvollem Aufwand therapierbare Entität Schlafapnoe erheblich geändert. So sind auf dem deutschen Buchmarkt inzwischen an die 20 Bücher erhältlich, die sich - meist auf professionellem Niveau - mit Schlafmedizin beschäftigen. Von daher liegt die Messlatte für das erstmals aufgelegte Buch Praxis der Schlafmedizin" von Stuck und Mitautoren nicht niedrig.
Das hochwertig ausgestattete Buch liegt gut in der Hand und zeigt sehr gute Druck- und Papierqualität, was sich zusammen mit den gut gegliederten Textblöcken und farblich hinterlegten Tabellen und Textkästen sehr positiv auf die Lesbarkeit auswirkt. Das Buch ist klar gegliedert: Beginnend mit Physiologischen Grundlagen und Diagnostischen Methoden werden alle Aspekte der Schlafmedizin beginnend mit Insomnien und Schlafbezogene Atmungsstörungen über hypersomnischen und zirkadianen Störungen und Parasomnien bis hin zu Bewegungsstörungen im Schlaf, Schlafstörungen im Kindesalter und Begutachtung (unvollständige Aufzählung) in sinnvoller Reihenfolge abgehandelt. Ebenso logisch ist der Aufbau der einzelnen Kapitel: nach einer kurzen Einführung kommt Definition, Ätiologie und Pathophysiologie, Epidemiologie, klinisches Bild, Diagnostik und Therapie. Farblich abgesetzt finden sich neben Tabellen und Listen sehr hilfreiche Praxistipps, die praktisch wichtige Aspekete hervorheben. Wie im Titel nicht zu unrecht behauptet, ist das Buch sehr praxisorientiert, ohne dabei wissenschaftliche Exaktheit zu vernachlässigen. Trotz der Komplexität des Themas ist der Text hervorragend und ohne Ermüdung zu lesen, im Gegenteil so spannend, daß man es statt eines Romans auf den Nachttisch legen kann (allerdings mit Gefahr der Hyposomnie, wenn am nächsten Morgen der Wecker klingelt!).
Einziger sachlicher Kritikpunkt aus meiner Sicht ist, daß zum Schlafapnoescreening eine mindestens achtkanalige Ableitung gefordert wird. Obwohl wünschenswert, ist das in der heutigen Kostenerstattungsrealität vom Aufwand her nicht mehr machbar. Zudem haben selbst einkanalige Screeninggeräte in Studien ein hohe Validität verglichen mit Polygraphiegeräten gezeigt. Ein guter Kompromiß wäre m. E. ein Zweikanalgerät, das auch verläßlich Flusslimitationen quantifiziert.
Fazit: Das schon in der Erstauflage erstaunlich perfekte Buch hat das Zeug dazu, allen Neulingen auf dem Gebiet der Schlafmedizin und allen anderen Interessierten ebenso umfassende wie auch praxistaugliche Informationen zu geben, ohne dabei selbst schlaffördernd zu wirken. Ein neues Standardwerk, das in jedem Schlaflabor zum Nachlesen für Alle liegen sollte.
Dr. med. Peter Pommer, Oberammergau