Vielleicht ist es der besondere Nebeneffekt dieses Buches: sich nicht nur damit zu befassen, wie Familien sich verändern können, sondern auch das eigene Hilfs- und Therapieangebot zu überdenken. Ist es nicht oftmals so, dass frühere, intensivere Unterstützung wirkungsreicher sein kann, als wenn man in all zu kleinen Schritten Familien oder deren Mitgliedern entsprechende - manchmal halbherzige - Hilfen zukommen lässt?
Das neue Buch von Eia Asen und Michael Scholz eröffnet jedenfalls viele Perspektiven, aus dem bisherigen Hilfemuster herauszutreten und ganz andere Wege zu beschreiten.
Den beiden Autoren, die in Dresden bzw. London über langjährige Erfahrungen mit der familientherapeutischen Arbeit mit vielen Familien verfügen, ist es jedenfalls gelungen, ihr Konzept eindrucksstark darzustellen. Dabei ist es nicht nur die Perspektive, mit vielen Familien synergetisch zu arbeiten, die einen hoffen lässt, sondern auch der Punkt, in Kooperation mit anderen Therapeuten/-innen gemeinsam zu arbeiten.
Die Grundlagen der Multifamilientherapie werden im ersten und letzten Abschnitt des Buches hinsichtlich der theoretischen Voraussetzungen und der praktischen Umsetzung knapp beschrieben. Ebenso gibt es ein kurzes Kapitel zu den einzelnen Techniken sowie zu den speziellen Anwendungsgebieten und Projekten der Multifamilientherapie. Damit bekommt man einen guten Überblick über diese spezielle Therapieform, auch wenn man an einzelnen Stellen sich spezifischere Informationen gewünscht hätte.
Den Kernpunkt, auf den sich vor allem die Praktiker/-innen freuen werden, bildet das 70 Seiten umfassende Kapitel mit den spezifischen Übungen, die in der Multifamilientherapie zur Anwendung kommen. Diese sind erfrischend experimentell und zeugen von einem hohen Alltagsbezug. Infragestellungen, Ritualabfragen und kreative Übungen wechseln spielerisch miteinander ab und werden durch klare Vorgaben beschrieben: Einsatzmöglichkeiten, Abläufe, Therapieziel, Materialien, Anweisungen, Auswertungsfokus und kritische Therapiesituationen werden hier in ausreichender Ausführlichkeit vortrefflich beschrieben. Wer intensivere theoretische Informationen wünscht, der wird mit einem weiterführenden Literaturverzeichnis gut bedient. So ist das Buch vor allem für diejenigen gedacht, welche andere Wege in der familiären Unterstützung beschreiten wollen und dabei auf systemtherapeutische Erfahrungen aufbauen können.
Ein anregende, ansprechende, angenehm bereichernde Lektüre, die zur Umsetzung geradezu inspiriert.