Schauplatz Atlantic City (USA), Bar am Strand: „Man sollte eine schwimmende Hotdog- und Hamburgerbar machen. Das kackt die Bootfreaks doch an, für einen Imbiss immer anlegen zu müssen“. Am nächsten Tag sah ich den braungebrannten Typen, der seine Idee mit markigen Worten in die Welt setzte, mit Kollegen, leeren Benzinfässern und viel Holz in die See stechen. Und noch ehe eine neue Woche begann, hatte das Leiden für die armen Yacht- und Nussschalenbesitzer ein Ende. Ein neues Unternehmen war geboren, ohne Finanz-, Liquiditäts- und Businessplan, ohne öffentliche Zuschüsse und ohne Beratungsstelle.
Schauplatz Deutschland (Europa): Nur nicht auf die Schnauze fallen, nur nicht irgendeine Behörde verärgern, nur nicht unangenehm beim Bankenvertreter auffallen. Sonst ist das Ende da, bevor die Geschichte überhaupt begonnen hat. Werner Lippert will die Gepflogenheiten der Wirtschaftswelt auf dem alten Kontinent weder anprangern, noch verändern. Auch wenn ich mir einen kleinen Exkurs über Sinn und Unsinn von Planung gewünscht hätte. Denn schliesslich hat Wirtschaftswachstum auch mit Rahmenbedingungen und Denkhaltungen zu tun. Doch die Leser seiner Bücher erwarten wohl schlicht und einfach Gebrauchsanweisungen und Tipps eines erfahrenen Hasen. Erwartungen, die Werner Lippert voll und ganz einlöst.
Im ersten Kapitel gibt’s eine Einführung in die Entwicklung des kurzfristigen Finanzsystems, mit einem ausführlichen Beispiel. Dann geht’s in die Bank, wo das Geld liegt. Wir erfahren, wie der Umgang mit den Bänklern sein soll, wie die Kreditwürdigkeit geprüft wird, was in Verträgen stehen muss, weshalb es zu Ablehnungen kommen kann, wo die Eigenfinanzierung aufhört und die Fremdfinanzierung beginnt und welche alternative Finanzierungsformen es auch noch gibt. Was die öffentliche Hand zum eigenen Unternehmen beitragen kann, ist dann Gegenstand des dritten Kapitels, gefolgt vom Businessplan, einer Übersicht über Informations- und Beratungsstellen sowie Gründercoaching. Und weil’s in deutschen Landen für fast alles noch öffentliche Zuschüsse gibt, erfährt der Leser im letzten Kapitel, wie er zu diesen Geldern kommt. Findet man sich im Begriffsdschungel nicht zurecht, kann man auf das umfangreiche Glossar zurückgreifen oder über die angegebenen Internetadressen zusätzliche Infos einholen.
Mein Fazit: Werner Lippert kennt sich in der Materie bestens aus und stellt sie übersichtlich und logisch gegliedert dar. Wer es nach der Lektüre noch immer nicht begriffen hat, muss diesen Teil seiner unternehmerischen Tätigkeit wohl oder übel delegieren. So habe ich es gemacht, obwohl es in der Schweiz nicht ganz so kompliziert ist wie in Deutschland. Einen Stern Abzug gibt es, weil ich der Meinung bin, selbst Finanzielles müsse nicht ganz so trocken daherkommen.