Die 2. Auflage des "Standardwerks" der praktischen Endokrinologie läßt eine lucide, geschlossene und gut lesbare Darstellung vermissen. Bereits das erste Kapitel des Mitherausgebers Heinrich M. Schulte wirkt wie ein Schüleraufsatz, in dem fast jeder zweite Absatz auf "ist wichtig" oder von großer Bedeutung" endet. Da ist man dann sogar froh, dass nach spätestens zehn Zeilen die nächste Überschrift den Sermon unterbricht. Welchen Beitrag dann noch die "Wichtigkeitskästen" zum besseren Verständnis leisten sollen, erschließt sich mir nicht. Herr Allolio läßt den Leser an seiner astronomischen "Gelahrtheit" zu Lasten einer verständlichen Darstellung teilhaben: ".. wird eine einzelne Blutentnahme zwischen dem tageszeitlich möglichen Hormonnadir und dem Hormonmaximum jeden beliebigen Zwischenwert annehmen können." Eine Blutentnahme nimmt einen Wert an? Der Gegenpol zum Nadir ist der Zenith und das Minimum das Gegenteil vom Maximum, also was denn jetzt? Aber es geht weiter: "Schwieriger ist es, die Wirkung eines Zuviel oder eines Defizits an Hormon..", hätte nicht statt des Defizits ein Zuwenig gereicht? Derart holpernd führen die Herausgeber in eines der wichtigsten Fächer der Medizin ein - oder besser hinaus.
Die einzelnen Fachbeiträge der 79 Autoren (das Endokrinologikum München ist als Autor sogar noch einmal extra aufgeführt) bedürfen einer einzelnen kritischen Würdigung und sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Insgesamt ist das Buch kein Wurf. Wer etwas über Hormone lernen will greife zu "Kleine und Rossmanith, Hormone und Hormonsystem", der Kliniker ist mit einschlägiger Literatur angelsächsischer Provenienz für 180 ¤ sicher besser bedient.