Ich finde das Buch „Data Mining“ von Witten und Frank konzeptionell misslungen, schlecht (und offensichtlich mit „heißer Nadel“) geschrieben und überteuert. Zunächst ist das Buch m.E. in der Umsetzung nicht konsequent genug strukturiert. So geben die Autoren zwar durchaus an, in Kapitel 4 Algorithmen für in Kapitel 3 vorgestellte Möglichkeiten der „Wissensdarstellung“ anzugeben, deren Implementierung wiederum in Kapitel 6 erläutert werden soll. Allerdings finden sich dann einige "kompliziertere“ Algorithmen, z.B. Regressionsbäume, erst in Kapitel 6 wieder, ohne dass sie in Kapitel 4 vorgestellt worden sind. Warum, wird nicht so richtig klar. Viel schlimmer ist jedoch das gescheiterte Konzept: Im Vorwort wird als Anspruch des Buches definiert, die Lücke zwischen zu oberflächlichen Management-Büchern und für praktische Anwender zu tiefgreifende Theorieabhandlungen zu schließen, was sicherlich ein sehr löbliches Vorhaben ist. Zu häufig geraten die Darstellungen dabei allerdings zu kurz und werden damit unverständlich, während Trivialitäten häufig wiederholt werden. Außerdem ist mir nicht ganz klar, welche Leser auf der einen Seite die benutzte mathematische Begrifflichkeit verstehen, dabei aber gleichzeitig nicht wissen sollen, wie Bayes’ Regel der bedingten Wahrscheinlichkeit oder eine lineare Regression funktioniert. Nach einer Weile beginnen einen schließlich auch die zahlreichen kleinen Fehler zu ärgern, die sich durch das Buch ziehen, z.B. hier eine Null zuviel, dort Analyse einer Tabelle auf Basis von 12 Einträgen, die aber nur 11 hat. Das merkt man zwar, wenn man aufmerksam liest, und kann es auch selbst korrigieren, aber bei einem Paperback-Buch zu diesem Preis könnte man eine etwas ordentlichere Bearbeitung m.E. schon erwarten. Da kann man sich über das viel zu kurze Stichwortverzeichnis schon gar nicht mehr aufregen. Für die Käufer, die sich nicht im Laden schon immer das komplette Inhaltverzeichnis ansehen (oder mit den dort verwendeten Begriffen nichts anfangen können), sei schließlich noch angemerkt, dass in dem Buch keine Darstellung von Neuronalen Netzen stattfindet.