Wer hat sie nicht, die Angst vor der Prüfung? Die Angst, nicht ausreichend und auf alle Fragen vorbereitet zu sein. Und dann kommt in der Prüfung die erste Frage, zu der man gleich ausführlich Stellung nehmen kann, die Aufregung legt sich, Querverbindungen werden vom Prüfling aufgezeigt, neue Themen angesprochen und es wird eine Prüfung, mit der alle zufrieden sind. So oder ähnlich erfreulich habe ich es seit vielen Jahren als Prüfer in etlichen Staatsexamensprüfungen erlebt.
Aber es gibt auch andere Fälle, bei denen eine bevorstehende Prüfung als unerträgliche Qual erlebt wird, die die Vorbereitung lähmt. Und dann führt die erste Frage als selbsterfüllende Prophezeiung ("Ich hab`s geahnt!") bereits zu einer Blockade. Und dann ist er da, der gefürchtete Blackout.
Was kann man da (auch als Prüfer) im Vorfeld tun? Schlichte Hinweise darauf, dass Prüfungskommissionen grundsätzlich wohlwollend sind und dem Prüfling jede Möglichkeit bieten wollen seine Leistung zu zeigen, fruchten erfahrungsgemäß wenig.
Das Buch von Helga Knigge-Illner "Prüfungsangst besiegen" verspricht hier wirksame Abhilfe und bietet in der Tat zahlreiche Strategien seine Prüfungsangst in den Griff zu bekommen. Ich denke, mit dem Buch lässt es sich z. B. gut lernen, die ständige Unruhe und Nervosität in den Griff zu kriegen aber nicht nur das: Es zeigt auch überzeugend auf, wie man sich am besten auf die Prüfungen vorbereitet - sowohl fachlich als auch mental - und wie man seine Zeit effektiv nutzt. Was ich besonders gut finde: Man lernt nicht nur Bewältigungsstrategien kennen, die Autorin leitet auch dazu an, sich ein positives Selbstbewusstsein aufzubauen.
Man merkt an vielen Stellen, dass das Buch nicht einfach am Schreibtisch entstanden ist, sondern aus der langjährigen praktischen Arbeit mit Studierenden, die unter Prüfungsangst litten, stammt. So wird häufig ein "Ja, aber...", das man beim Lesen einiger Vorschläge spontan empfindet, auf der nächsten Seite als Einwand eines Workshopteilnehmers aufgeführt und dazu überzeugend Stellung genommen. Deshalb fühlt man sich auch niemals bevormundet, sondern immer angeregt. Viele Vorschläge beinhalten zudem Alternativen. "Probieren Sie es aus!", meint dazu die Autorin.
Auch wenn man meint, nicht übermäßig prüfungsängstlich zu sein und vieles bewusst oder intuitiv bereits richtig gemacht hat, findet man in diesem Buch etliche Hinweise, wie man seine Prüfungsvorbereitung noch effektiver gestalten, den Prüfungsverlauf positiv beeinflussen und damit vielleicht bei einer nächsten Prüfung noch sicherer auftreten und noch mehr herausholen kann. (Hätte ich das Buch nur früher gelesen!) Und das gilt bereits für Schüler, die ihre Lern- und Prüfungsleistungen konsequent verbessern wollen und sich auf die Abiturprüfungen vorbereiten.
Fazit: unbedingt empfehlenswert und nicht nur für Prüfungsängstliche!