Scheils knappes Buch stützt sich zunächst auf die Binsenweisheit, daß Polen 1939 von zwei Gegnern erobert und geteilt wurde: Vom nationalsozialistischen Deutschland auf der einen, der Sowjetunion auf der anderen Seite. An der Demarkationslinie, die mitten durch das ehemalige Polen verlief, standen sich zwei Streitmächte gegenüber, die gleichzeitig die Werkzeuge zweier ebenso verwandter wie unterschiedlicher Weltanschauungen waren. Es war nur eine Frage der zeit, wann eine Seite mit den Kriegshandlungen beginnen würde.
Scheil weist nach, daß Deutschland seinem Gegner nur um wenige Wochen zuvorkam und bitter überrascht wurde vom ebenso geheimen, wie massierten Aufmarsch sowjetischer Truppen an der Grenze und im nahen Hinterland. Alleine an diesem Punkt ist Scheils Argumentation ebenso einfach wie einleuchtend: Hätten die Truppen der Abschreckung gelten sollen, wären sie nichtinsgeheim aufgestellt worden, sondern offensichtlich oder sogar übertrieben laut.
Scheil muß sich nicht verrenken, um den deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 als Präventivkrieg einzustufen. Er kann im Schlußkapitel seines Buchs etliche 50 Fragen klar und eindeutig beantworten und daraus den Präventivkriegscharakter des Unternehmens Barbarossa ableiten. Daß er für die vier Kapiteln seiner Untersuchung ebenso verblüffende wie aussagekräftige Zitate zusammengetragen hat, macht das Buch zu einer anschaulichen und einprägsamen Lektüre.
Fünf Sterne für Ansatz, Antwort, Preis, Ausstattung und - Mut!