Diese DVD kann sich eigentlich niemand entgehen lassen, der ernsthaft an Klaviermusik interessiert ist: Da ist zuerst natürlich vor allem Tatiana Nikolayevas grandiose, ergreifende, mitreißende Interpretation von Shostakovichs facettenreichem Klavieruniversum, das übrigens auch von Keith Jarrett eingespielt wurde und das wohl nicht nur diese beiden in der unmittelbaren Nachfolge (und Fortführung) des Bachschen Wohltemperierten Klaviers ansiedeln. Und da ist zum zweiten eine zwar nur kurze, auch nur englisch (aber gut verständlich) untertitelte Dokumentation, in der man unter anderem Shostakovich höchstselbst am Klavier spielen sieht (bei miserablem Ton übrigens) und in der ansonsten vor allem Tatiana Nikolayeva über "ihren" Shostakovich spricht, den sie 1950 kennenlernte, als sie den Leipziger Bachwettbewerb gewann, bei dem der Meister in der Jury saß und sich von Nikolayevas Bachspiel sehr berührt gezeigt haben soll. Berührt zeigen wird sich nun auch, wer Ohren und Herz für die Klaviermusik des 20. Jahrhunderts hat, vom Spiel der zum Zeitpunkt der Aufnahmen 68 Jahre alten, in ihrem Vortrag unglaublich "jung" wirkenden Meisterin, die dabei so viel Feuer und Farbigkeit entwickelt, dass man sich verwundert die Augen und Ohren putzt, wenn man weiß, dass Tatiana Nikolayeva ein Jahr nach diesen Aufnahmen, 1993, gestorben ist.