Ein wahrlich interdisziplinäres Team von Autoren haben die Herausgeber in diesem durchwegs Powerpoint (damit sind auch ähnliche Produkte wie "Keynote" gemeint) gegenüber sehr kritischen Band zusammengebracht: Politikwissenschaftler, Informatiker, Film- und Fernsehwissenschaftler, Medienphilosophen, Philosophen, Professoren der Kunstgeschichte, Experten für Grafische Datenverarbeitung, Elektrotechniker, Mathematiker, Erkenntnistheoretiker, Medientheoretiker, etc.
Damit gelingt es in dem Buch, eine breit angelegte Analyse der Wirkungen und der Auswirkungen der verstärkten Verwendung von PowerPoint als Medium in Unterricht und Lehre, aber vor allem in der Wirtschaft zu untersuchen. Das Phänomen "PowerPoint" wird dabei als eine "Kulturtechnik" betrachtet, die sich einreiht in die Vermittlungs-Techniken der Rede bzw. des Vortrags, der Verwendung der Schreibtafel, später des Overhead Projektors und nun von Powerpoint in Kombination mit der Technologie des "Beamers".
Die Autoren kommen dabei durchwegs zu sehr negativen Einschätzungen und Bewertungen der Verwendung von Powerpoint und stützen sich dabei auf viele amerikanische Arbeiten zu diesem Thema und in einigen Beiträgen werden dem antike Lehren der Rhetorik gegenübergestellt.
Als Hauptkritikpunkt an der Verwendung von Powerpoint machen sie vor allem die Verwendung von vorgefertigten Vorlagen, sowohl für die Layouts, als auch für die Inhalte und die Bilder fest. Sie kritisieren die didaktischen Fehler die bei Präsentation gemacht werden, wenn der Vortragende kein wirkliches Konzept des Vortrags hat, sich an den Textfolien festhält oder der Vortrag gar zu einer Vor-Lesung ausartet.
Gewiss, all diese unsachgemäßen Verwendungen von PowerPoint kommen häufig vor, aber es liegt wohl an anderen fehlenden Grundtechniken von Vortragenden wenn diese nicht vor der ersten PowerPoint Folie ein Konzept, eine "Storyline", ein "Drehbuch" und vor allem eine klare Vorstellung davon haben, was bei dem Vortrag vermittelt werden soll. Für Powerpoint gilt hier, was für jedes Werkzeug gilt: Man kann es missbräuchlich und falsch verwenden.
Besonders gut in dem Band finde ich den Beitrag des Film- und Fernsehwissenschaftlers Lorenz Engel "Probleme der Präsentation von Filmsequenzen", weil dies eine sehr spannende Verwendung von Powerpoint im Rahmen von Vorträgen sein kann - ich experimentiere selber immer wieder gerne damit. Etwas verwunderlich fand ich hingegen eine Anmerkung eines anderen Autors in dem Band: J. Pflüger, Anm. 61 S.215: "An dieser späten Stelle kann ich gestehen, dass ich mein Lebtag noch nie PowerPoint verwandt habe." (sic) - Aber die Kritik des Buches bezieht sich eben generell auf die ganze Familie solcher Präsentationsprogramme.
Zusammengefasst ist das Buch auf jeden Fall ein sehr lesenswerter Band, der eine tiefgreifende Analyse dieser Kulturtechnik bietet. Auch wenn der Band an vielen Stellen zu sehr kulturpessimistischen Schlussfolgerungen kommt, bietet er sicher für Vortragende und Lehrende wertvolle Anregungen zur besseren Vermittlung von Inhalten - auch mittels PowerPoint.