Dieses ist eine Zusammenfassung des Wissens über Krafttraining im engeren Sinne, so wie Pavel Tsatsouline dieses sieht. Er ist kein Bodybuilder und hat auch keine Bodybuilder trainiert und das Buch wendet sich nicht an Bodybuilder und das Ziel des Buches ist nicht zu erklären, wie man in kürzester Zeit riesige Muskeln aufbaut. Für diesen Zweck gibt es übrigens auch andere Bücher genug.
Der größte Teil des Buches ist ein Lehrbuch in allgemeiner Muskelphysiologie und Trainingstheorie. Das Buch hätte normalerweise 500 Seiten haben müssen, aber ist durch Tsatsoulines eigenartigen Telegrammstil auf ein Minimum heruntergekürzt worden. Es ist ja schließlich für Amerikaner geschrieben, hat deshalb große Buchstaben und viele Bilder.
Der Telegrammstil bedeutet für uns, dass der Leser das Buch nicht beim ersten Durchlesen begreift, sondern erst nach dem dritten bis fünften. Ich habe das Buch bestimmt mehr als zehnmal gelesen und finde immer noch Dinge darin, die ich entweder übersehen habe, zuwenig beachtet habe, oder deren Bedeutung ich am Anfang gar nicht habe richtig einschätzen können. Dabei bin ich aber Akademiker und durchaus gewohnt große Mengen konzentrierten Wissens zu verdauen.
Am Ende stellt der Verfasser ein Trainingsprogramm zusammen, das auf den vorgestellten Erkenntnissen aufbaut. Dieser Entwurf ist zwar einfach gehalten, ist aber dennoch sehr mühevoll zu befolgen. Ich habe bewusst mit dieser Rezension gewartet bis ich heute mit dem 100sten Eintrag in meinem Blog auf 5 1/2 (fünfeinhalb) Monate Training zurückblicken kann, in denen ich den Anweisungen des Buches so genau befolgt habe, wie ich konnte. Alle meine Fehler habe ich genauestens aufgelistet. Sie beruhen allesamt auf Missachtungen des Geschriebenen. Das Ergebnis: Ich habe einen erheblichen Kraftzuwachs erlebt und auch etwas an Gewicht zugenommen.
Der Titel des Werks "Kraft für das Volk" drückt das Bestreben des Verfassers aus, ein Trainingssystem für jedermann, ob jung oder alt, dick oder dünn, Mann oder Frau, zu entwerfen, ein Trainingssystem, das wissenschaftlich begründet ist (und das wird in allen Einzelheiten im Buch ausgepinselt), und ein Trainingssystem, das im Allgemeinen ziemlich gute Ergebnisse geben dürfte, wenn jemand bereit ist, ihm zu folgen. Ein Volks-Trainingssystem sozusagen, das von jedem lebenslang ausgeübt werden kann. Nach meiner Meinung ist dieses Ziel des Verfassers gelungen. Das Buch ist kein Lehrbuch in Kreuzheben als olympische Disziplin oder für Hochleistungssportler. Es ist ein Volksbuch. Klar ist das Buch besonders verständlich für Leute, die bereits andere Bücher über Krafttraining oder Bodybuilding gelesen haben und bereits einige Erfahrungen auf dem Gebiet haben. Wer keinerlei Vorkenntnisse hat, kann das Buch selbstverständlich dennoch lesen, muss sich dann aber die besondere Mühe geben, aus anderen Quellen, zum Beispiel Internet, die vorgestellten Begriffe zu verstehen und zu verinnerlichen.
Zum Schluss erwähne ich noch Tsatsoulines flapsigen Sprachgebrauch und seine unzähligen humoristischen Anspielungen auf die kommunistische Vergangenheit ("Die Partei hat immer Recht", "russisches Geheimtraining" usw.) - der Leser wird konsequent als "Genosse" (comrade) angeredet. Dass der Verfasser in USA reichlich mit seiner russischen Vergangenheit kokettiert, ist eine künstlerische Freiheit, die man ihm zugestehen muss.