Bevor ich auf den Blog von Leo Babauta, ZenHabits.net, stieß und einer der mehr als 85.000 Abonnenten geworden bin, war ich auf der Suche nach dem PERFEKTEN Zeitmanagement-System, das mir helfen sollte, meine immer länger werdenden ToDo-Listen abzuarbeiten und noch mehr in den 9 Stunden Arbeitszeit erledigt zu bekommen. Trotz aller Bemühungen und Optimierungsversuche bin ich kläglich gescheitert: Je mehr ich arbeitete und von der Liste strich, desto mehr neue Aufgaben kamen hinzu, ich kam mehr als einmal wie in einem Hamsterrad vor.
In dem vorliegenden Buch geht es aber um das komplette Gegenteil von dem, was ich früher suchte: Anstelle permanent vier Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, konzentriert man sich hier ausschließlich auf eine. Ist man damit fertig, um die nächste. Wie man das in einer Welt von Blackberries, überquellenden Postfächern, RSS-Reader, Twitter und Co schaffen soll, das erklärt der Autor meiner Meinung nach sehr authentisch. Authentisch deshalb, da der sechsfache Vater mit Hilfe seiner Herangehensweise, die sich vor allem auf Gewohnheitsänderungen zurückführen lässt, in den letzten Jahren sehr viel geschafft hat. Er hat das Rauchen aufgehört, ist Marathon gelaufen, hat mehr als 20kg abgenommen (weitere 16 Beispiele finden sich im Buch).
Power of Less gliedert sich in zwei Teile: Die zugrundeliegenden Prinzipien und deren praktische Umsetzung:
Prinzipien:
1. Grenzen setzen
2. Sich auf das Wesentliche konzentrieren
3. Vereinfachen
4. Fokussieren
5. Gewohnheiten schaffen (ändern)
6. Klein anfangen
Praktische Umsetzung:
1. Einfache Ziele und Projekte
2. Einfache Aufgaben
3. Einfaches Zeitmanagement
4. Einfache E-Mail
5. Einfaches (simple) Internet
6. Einfache Ablage
7. Einfache Commitments
8. Einfache Alltagsroutine
9. Am Arbeitsplatz ausmisten
10. Einen Gang zurückschalten (Slow Down)
11. Einfache (simple) Gesundheit und Fitness
12. Motivation
Man merkt während des Lesens und anhand der vielen Beispiele, dass all das nicht bloße Theorie ist, sondern sich, zumindest beim Autor, bewährt hat und jeder für sich selbst entscheiden soll, was er davon umsetzt.
Um jedoch langfristig Erfolg zu haben, bedarf es Gewohnheitsänderungen. Ein vollgepackter Schreibtisch kann nur dann auf Dauer leerer werden, wenn man unnötige Dinge wegwirft, regelmäßig Ablage macht, etc. Anstelle jedoch alles auf einmal ändern zu wollen, rät der Autor immer nur eine Sache anzupacken, d. h. nicht jeden Tag früher aufzustehen, mit Sport anzufangen und dann auch noch ein ordentlicher Mensch zu werden, das funktioniert einfach nicht, wie wohl jeder schon einmal erfahren hat. Vielmehr ist es wichtig immer nur eine Gewohnheit zu ändern und auch immer nur klein anzufangen, anstelle als Coach-Potato mit 30 Minuten Sport täglich nur 5-10 Minuten anzufangen.
Trotz der nur knapp 170 Seiten finden sich sehr viele wertvolle Ansätze und Tipps, die jedoch den Rahmen einer Rezension sprengen würden. Bahnbrechende neue Erkenntnisse oder Ansätze darf man jedoch nicht erwarten, dafür habe ich das Buch auch nicht gekauft.
Wer unschlüssig ist, sollte vielleicht die gleichnamige Webseite oder Leos ZenHabits Blog besuchen. Darüber hinaus kann ich noch das kostenlose E-Book ZenToDone empfehlen, das man bei imgriff.com findet, was aber nicht im Mindesten an die Qualität des Buches heranreicht, aber zumindest einen ersten Eindruck vermittelt.