Ein atemberaubender und gut recherchierter historischer Abenteuerroman über die Zeit Lord Nelsons und der berühmt-berüchtigten Royal Navy.
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Bevor man dieses spannende Buch aufschlägt, fällt einem zuerst der hervorragend gestaltete Umschlag ins Auge. Vor nachtschwarzem Himmel wird der Horizont gerade noch von der untergehenden Sonne in orange Licht getaucht, dass an den Feuerschein brennender Schiffe erinnert. Vor diesem flammenden Hintergrund gleitet eine vollaufgetakelte Fregatte in seichter Brise durchs Bild. Darüber zieht sich der metallische, von bronzen über silbern bis mattschwarz reichende, Schriftzug „Powder Monkey“, wobei das erste „O“ wie das Loch eines Kanonenrohrs gestaltet ist, aus dem Flammen schlagen und Rauchschwaden quillen.
Paul Dowswell schildert in seinem packenden Historienroman die „Abenteuer des Sam Witchall“, der 1787 in Norfolk, England, geboren wurde und dessen größter Wunsch es ist, zur See zu fahren. Und damit eine möglichst große Authentizität erreicht wird, erzählt Sam selber von seinen Geschehnissen, „einer Geschichte, die Du nie vergessen wirst…“
Dem Tod entkommen, zum Fron-Dienst gezwungen
Nach langem Sträuben der Eltern stimmen sie dem Wunsch des 13-jährigen zu und so heuert er auf der dem Handelsschiff „Lady Francklyn“ an, ein Handelsschiff, welches unter dem Befehl von Kapitän Rushford steht. Doch die anfängliche Begeisterung währt nicht lange, denn schon nach kurzem werden sie von einem Freibeuter angegriffen. Doch wie durch ein Wunder entgehen sie dem sicheren Tod, als sich ein Schiff der Kriegsmarine in den Kampf einschaltet und sie rettet. Doch der Preis, der dafür zu zahlen ist, ist hoch, denn Sam wird von der Kriegsmarine zwangsrekrutiert und muss fortan auf einem Kriegsschiff Dienst tun. Fortan besteht sein Leben aus Putzen, Drill, Putzen, Drill und Putzen, Drill. Damit man bei Kräften bleibt, gibt es Mittags abwechslungsreiche Kost in einem festen Turnus: Montags Käse, Dienstags Rindfleisch und Mittwochs Käse und Erbsen; am nächsten Tag wieder nur Käse u.s.w. Das Abendessen bestand aus „Schiffszwieback, der wie verdorbenes Brot schmeckte und voller Maden war“. Das ganze spülte Sam mit „einem halben Liter Grog runter…Der Rum nahm dem Wasser seinen schrecklichen Geschmack, das nach einem Monat auf See so gut wie ungenießbar wurde“. Neben den kulinarischen Leckerbissen tat man alles, um die Mannschaft bei Laune zu halten: salutierte man nicht rechtzeitig vor einem Offizier, wurde man ausgepeitscht; antwortete man einem Vorgesetzten aufsässig oder frech, wurde man ausgepeitscht; kam man von einem Landurlaub zu spät zurück, wurde man aufgehängt; trank man einen Schluck zuviel, wurde man ausgepeitscht.
Diese brutalen Verhältnisse führen dazu, dass die Besatzung alle Geschehnisse mit hartem Sarkasmus kommentieren. So erzählt man ihm voller Schadenfreude, welche schrecklichen Tode seine Vorgänger starben. Beispielsweise gab es da einen „den es völlig in Stücke gerissen hat und von dem nur die Zähne und Augäpfel übrig geblieben seien, und die Zähne hätten gesagt: Man brennt das in den Augen! Erst da begriff ich, dass sie mich nur auf den Arm nahmen.“
Gekonnte Variation eines klassischen Themas
So knallhart und brutal, wie oben geschildert, ist natürlich nicht der ganze Roman. Diese Geschehnisse erzählt uns Sam bereits auf den ersten ca. 70 Seiten des 270 Seiten starken Romans. Allerdings sind diese notwendig, um die weitere Geschichte und die jeweiligen Handlungen und Motivationen Sams zu verstehen. Für uns nicht vorstellbar, blieb einem kleinen Schiffsjungen damals keine große Wahl. Demokratische Verhältnisse existierten nicht und kleinste Vergehen wurde mit drakonischen Strafen belegt. Von der Anlage her erinnert Paul Dowswell Roman an Klassiker wie „Horatio Hornblower“, „Entdeckung der Langsamkeit“ oder „Der Seewolf“ und muss sich weitestgehend vor diesen Titanen der Literatur nicht verstecken, zumal es sich bei „Powder Monkey“ um ein Jugendbuch handelt. Diesem Umstand trägt der Autor Rechnung, in dem er von drastischen Beschreibungen absieht und diese gerade so gestaltet, dass man sich ein Bild machen kann von den Begebenheiten, ohne knietief im Blut waten zu müssen. Sams Überlebenskampf wird gemildert durch das Beispiel einiger seiner Mannschaftskameraden. Durch ihr Vorbild lernt er, was es hießt, Mitglied einer Gruppe zu sein, sich dort einzufügen, dazuzugehören, ihren Schutz zu genießen. Er lernt Freundschaft, Großzügigkeit, Nachsicht und Liebe kennen und Paul Dowswell verknüpft diese ganzen Elemente geschickt mit dem exzellent erzählten Plot.
Fazit: Ein ausgezeichnetes Jugendbuch, das spannend, informativ und lehrreich das Leben eines Schiffsjungen im 18. Jahrhundert schildert, ohne zu belehren oder langweilen. Absolut empfehlenswert für Freunde historisch exakt recherchierter Geschichten ohne unnötige Gewaltdarstellungen.
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