Powder Blue (PB) ist ein Episodenfilm über Einsamheit unter Menschen in einer Großstadt, hier konkret dargestellt von 4 besonders tragische Figuren in LA. Regisseur ist der zumindest mir unbekannte Timothy Linh Bui, Oskar-Preisträger Forest Whitaker gehört zu den Produzenten.
Die Tragik dieses Film fängt schon damit, daß er ohne Umweg über die Kinos quasi direkt auf DVD veröffentlich wurde, was er nun wirklich nicht verdient hat. Ok, für einen unterhaltsamen Kinoabend à la Popkorn-Kino ist er wirklich nichts. PB wirkt einfach deprimierend, dagegen ist z.B. selbst "Lost in translation" eine fröhliche Komödie.
Eine als Stripperin arbeitende Mutter mit einem kleinen Sohn im Dauerkoma, ein nach 25 Jahren entlassener Knastbruder auf der Suche nach seiner Vergangenheit, ein den Tod suchender Ex-Priester, ein kranker und gescheiterer Jung-Bestatter - vier einsame Schicksale, die irgendwie verbunden sind, alle bereit nach dem letzten sich bietenden Strohhalm Liebe oder Erlösung zu greifen.
Am sieht schon, hier wird dick aufgetragen, tragischerweise in all der Tragik leider etwas zu dick und auch zu vorhersehbar, weshalb man PB auch nicht als sehr guten Film bezeichnen kann.
Dennoch bleibt PB irgendwie faszinierend. Stimmig in guten Bildern gefilmt und geschnitten, wirkungsvoll aber unauffällig Soundtrack-mäßig unterlegt, stechen vor allem die hervorragend agierende Schauspieler heraus, aller voran die leider immer noch unterschätzte Jessica Biel und ein gut aufgelegter Ray Liotta, auch Forest Whitaker kann sich sehen lassen. Patrick Swayzes spielt lediglich eine kleine Statistenrolle und ich kann mich nur wundern, warum er sich für diese Witzfigur hergegeben hat. Vom DVD-Aufkleber "Patrick Swayzes letzter Film" sollte sich jedenfalls kein Fan verleiten lassen.
Die große Schwäche des Film ist jedenfalls das Drehbuch oder ein zu ehrgeiziger Regisseur, die einfach zu viel "Tragik" wollten und es eindeutig übertrieben haben. Dafür können aber die im vorgegebenen Rahmen agierenden Schauspieler nichts weshalb man ihre gebotene Leistung auch nicht schälern sollte. Ob sich z.B. Frau Biel karrieremäßg mit ihren freizügigen Szenen einen Gefallen getan hat, wage ich zu bezweifeln - auch das ist leider tragisch. Meiner Meinung nach hätte es dem Film sogar gut getan, wenn der letzte Auftritt ohne "blank ziehen" über die Bühne gegangen wäre, denn so wird dem Film bestimmt ein eigentlich unpassender Stempel aufgedrückt.
Ich habe es jedenfalls nicht bereut den Film gesehen zu haben. Wollen wir hoffen, daß er nicht nicht nur wegen der freizügigen Szenen von Frau Biel in Erinnerung bleibt - denn das hat weder sie noch der Film verdient.
Zur Blu-ray:
Bildtechnisch wird hier nur Mittelmaß geboten. Viele Szenen sind knackig scharf, andere nur auf gutem DVD-Niveau. In einigen dunklen Passagen ist Rauschen nicht zu übersehen, was bei einem derart neuen Film nicht hätte passieren dürfen. Ich habe alledings auch schon deutlich schlechtere Blu-rays gesehen und denke beim aktuellen Preis mit Blu-ray statt DVD die richtige Wahl getroffen zu haben.