Von "Chansons wie schwerem Rotwein", nur "ohne Kopfschmerzgarantie" parlierte eine große deutsche Wochenzeitschrift unlängst. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an das nunmehr 6.Album des in der Tradition des großen Serge Gainsbourg stehenden modernen Chansonniers, den nicht nur meine Wenigkeit als Meister des Sprechgesangs empfindet.
Gleich vorweg: Wirklich enttäuscht bin ich nicht. Auch die neuen Lieder von Monsieur Biolay bewegen sich fern des Mainstreams, verströmen mit der auch den schnelleren Nummern immanenten, oft pianounterlegten Melancholie den ganz typischen, eigenartigen Reiz, der vor allem jene Chansonfreunde für sich einzunehmen weiß, die Wert auf avantgardistitisch-innovative französische Musik legen, die sich in der Tradition des klassischen Genres bewegt und durchgehend als qualitativ weit über dem Durchschnitt angesiedelt ist.
Obwohl das neue Album diese Kriterien erfüllt, kann es m.E. mit den Vorgängeralben insbesondere der Tatsache wegen, dass 4 Stücke nicht von Biolay selbst, sondern entweder instrumental gefertigt oder von mir unbekannten Damen gesungen werden, nicht durchgängig mithalten. Alle Titel (deren Texte diesmal im Booklet leider fehlen), sind von einem Filmprojekt inspiriert, wie es der schmale Aufkleber auf dem Cover verrät. Bewusst(?) verschleiert werden jedoch die vom Künstler eben nicht vokal geprägten Chansons, was eine Höchstbewertung trotz der durchweg gewohnt anspruchsvollen Kompositionen nicht zulässt: Wo Biolay draufsteht, sollte auch Biolay drin sein - und zwar durchgängig.
So jedoch bleiben Wünsche offen, die gewiss nicht nur mir zu Eigen sind und leicht hätten erfüllt werden können. Pardonnez-moi, Monsieur, mais - ca ne suffit pas...