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Potsdamer Platz
 
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Potsdamer Platz [Broschiert]

Buddy Giovinazzo
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert
  • Verlag: Maas Verlag (Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 392901081X
  • ISBN-13: 978-3929010817
  • Größe und/oder Gewicht: 17,2 x 11 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 738.064 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Erinnern Sie sich an die Anfangsszene des Films Pulp Fiction von Quentin Tarantino, als sich die beiden Killer während der Autofahrt zu einem Auftragsmord über das "alte" Europa und die dortige Legalisierung von Haschisch und die Unterschiede von Big Macs unterhalten? In etwa so dürfen Sie sich die beiden Mafiakiller Tony und Hardy in Buddy Giovinazzos Potsdamer Platz vorstellen, die von ihrer "Firma" nach Berlin geschickt werden, um dort dem türkischen Bauunternehmer Yossario gegen die Russenmafia zu helfen. Was den beiden allerdings verschwiegen wird: Ihre New Yorker Bosse bereiten einen Mafiakrieg vor und wollen sich damit ein großes Stück vom Kuchen des boomenden Baugeschäfts im Berlin der 90er Jahre abschneiden, um in die neue Märkte zu expandieren.

Doch alles was schief gehen kann, geht für die beiden schief. Bei ihrem ersten Auftragsmord kommt eher ungewollt die 14-jährige Tochter eines russischen Mafiabosses um, was dem Clan bitterer aufstößt als das angerichtete Gemetzel unter seinen Mafia-Rotarmisten. Zudem überfordert die fremde Kultur der Großstadt die beiden abgebrühten Killer völlig. Diese Orientierungsprobleme führen nicht nur den ziemlich durchgeknallten Hardy in die Arme von Neonazis. Schlimmer noch erwischt es Tony: Die verfahrene Situation des Berliner Mafiakrieges widert ihn an. Er kommt ins Grübeln, Jugenderinnerungen beginnen ihn zu plagen und plötzlich bekommt er auch berufliche Skrupel. Einen Auftragsmord an einem Unschuldigen kann er so nicht vollenden und fährt sein schwer verletztes Opfer sogar ins Krankenhaus. Dort verliebt er sich dann zu allem Überfluss noch in die junge Krankenschwester Monica.

Nach seinem großartigen New-York-Roman Broken Street legt Buddy Giovinazzo ein weiteres eigenwilliges Großstadt-Epos vor. Potsdamer Platz ist aus der Perspektive eines Killers erzählt. Dabei kann Giovinazzo, der auch erfolgreich als Filmregisseur arbeitet (u.a. No Way Home, dt. Unter Brüdern), seine Herkunft vom Splatterfilm nicht verleugnen: Seine Gewaltschilderungen sind brutal und schonungslos. Gleichzeitig erzählt er seine blutige Geschichte aber auch mit einer bemerkenswerten Sprachmacht und Poesie. Geradezu erfrischend wirkt sein nüchterner Blick auf Berlin, der frei ist von jedem Wiedervereinigungspathos oder oberflächlich historischem Bewusstsein. Sein "Amerikaner in Berlin", der Killer Tony, hat vom deutschen Tuten und Blasen keine Ahnung und so entdeckt man die boomende Hauptstadt aus überraschenden Blickwinkeln.

Giovinazzos Poesie menschlicher Abgründe ist sicher ambivalent, vor allem weil man sie sich vor dem Hintergrund Berlins so kaum vorzustellen vermag. Doch wenn seine Helden panisch durch die Berliner Hinterhöfe flüchten oder der sentimentale Killer Tony durch die getönten Scheiben seines Autos melancholisch auf die grauen Pflasterstraßen Ostberlins blickt, dann packt das. In diesem Sinne und wenn man so will: einer der besten "Berlin-Krimis" der letzten Jahre. --Christian Koch

FAZ am Sonntag, 18. Mai 2003

"Gerade weil Giovinazzo weiß, wie schwierig und wie vielsagend es schon sein kann, die Überquerung einer Straße filmisch zu inszenieren, gerade deshalb scheint er ein solches Vergnügen daran zu haben, mit seiner Prosa Berlin zu erschüttern.“

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gewaltspirale 8. Juli 2004
Von Heinz Herbert TOP 1000 REZENSENT
Von Amazon bestätigter Kauf
Vielleicht muss man Buddy Giovinazzo heißen, um einen solchen Roman überhaupt schreiben zu können. Und wer meint, mit John Ewo oder Garry Disher habe eine erzählerisch zumutbare Spirale der Gewalt ihr Ende erreicht, täuscht sich. Giovinazzo, einer der kürzlich noch bei einem „Polizeiruf 110" für die ARD Regie führte, dreht sie noch ein Stück weiter. Doch der Plot bleibt zumutbar und nachvollziehbar. Es bleibt verständlich, weshalb der Protagonist, Tony, so handelt wie er handelt, wenngleich die relativierenden Rückblenden des Autors für meinen Geschmack einen Deut zu ausführlich ausgefallen sind. Dadurch wird manches Mal - vielleicht aber auch gewollt - das Tempo aus dem Handlungsablauf herausgenommen.
Frank Nowatzki deutet in seinem Vorwort an, dass selbst Hardliner wie Donald Rumsfeld wohl ihre wahre Freude an der dem Buch zugrunde liegendenn guten, alten amerikanischen Gewalt hätten. Ich gehe einen Schritt weiter und behaupte, er würde ejakulieren, läse er diesen Plot, obgleich in seiner Welt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Gewaltphantasien existieren, die diese „kleine Geschichte" eher niedlich erscheinen lassen.

Zugegeben, der Roman trifft vermutlich nicht den Geschmack eines bekennenden Mankell-, Batya Gur- oder Elizabeth George-Fans und auch Leser, die gerne ein kriminalistisches Rätsel lösen, kommen nicht auf ihren Spaß.
Die hingegen, die genug Phantasie besitzen, alltägliche Weltnachrichten zu hinterfragen, werden den Plot als durchaus realistisch einzuschätzen in der Lage sein und atemlos lesen. HMcM

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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Amazon bestätigter Kauf
Der Berliner Maas-Verlag hat es sich zum Programm gemacht, außergewöhnliche Hard-Boiled-Romane zu verlegen. Und dieser Roman ist wirklich außerordentlich. Killer Tony wird von New Jersey nach Berlin geschickt, um eine befreundetes türkisches Bauunternehmen gegen feindliche Übergriffe zu schützen. Diese weitet sich rasch zu einem an Brutalität nicht zu übertreffenden Bandenkrieg mit der Russenmafia aus und die ganze amerikanische Mafiabagage zieht nach Berlin um. Dabei sitzt der größte Feind noch nicht einmal im Russenlager, die Selbstzerfleischung und um sich greifende Paranoia ist der größte Gegner. Allerdings bekommt Tony leichte Gewissensbisse. Sofort steht er unter verstärkter Beobachtung seiner Kollegen. Dass das nicht besonders angenehm ist, kann sich jeder denken. Die Sichtweise der Amerikaner für unsere bundesdeutschen Gegebenheiten erzeugt oft witzige Episoden, die auch zum Nachdenken über scheinbar Selbstverständliches anregen.
Potsdamer Platz ist ein rasanter Roman für robuste Gemüter, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Uneingeschränkt empfehlenswert.
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Überzogen 26. September 2010
Von lutz ha.
Von Amazon bestätigter Kauf
Giovinazzo versteht es sehr gut, dem Milieu angepasste realistische Dialoge zu produzieren und handelnde Personen anschaulich zu beschreiben. Er hätte es sicherlich drauf,mit dieser Gabe wirklich gute Bücher zu schreiben. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das jedoch nicht gelungen.
Sicherlich, es ist an einigen Stellen recht amüsant zu lesen, wie aus Sicht eines US-amerikanischen Gangsters Berlin in den Jahren nach dem Fall der Mauer beschrieben wird. Die sich darum windende Story um die Einflussnahme krimineller Organisationen auf Bauprojekte am Potsdamer Platz ist jedoch einerseits zu seicht, andererseits in dieser Art überzogen und es fehlt ihr einfach ein vernünftiges Gerüst. Da reicht es schlichtweg nicht aus, Staub und Dreck an der riesigen Baustelle zu beschreiben und wie man mal schnell einem Haufen türkischer Arbeiter den Lohn kürzen will, um mehr Profit herauszupressen. Ohne daraus gleich einen Wirtschaftskrimi zu machen, hätte Giovinazzo diese Dinge ein bißchen tiefgründiger angehen sollen, hier wäre mehr drin gewesen. Man merkt zu deutlich, dass die ganze Geschichte zu simpel konstruiert und zumindest von einem einigermaßen realitätsnahen Korsett weit entfernt ist.
Das extreme Gemetzel und Abschlachten zwischen ansässiger Türken- und Russenmafia auf der einen und der ins Geschäft drängenden amerikanischen Mafia auf der anderen Seite wird allerdings maßlos übertrieben. Damit meine ich nicht die Beschreibung einiger Brutalitäten, so schlimm und oft wird das Ganze eigentlich gar nicht dargestellt. Wer grundsätzlich nichts über Brutalität lesen möchte, sollte sich einfach mit anderer Literatur beschäftigen. Aber selbst wenn die Handlung in den USA spielen würde, hätte man seine berechtigten Zweifel ob der Menge an Morden und deren problemloser Vertuschung, der beinahe offenen Bewegung der Banden in der Öffentlichkeit. Das erinnert schon eher an die Drogenkriege in Mexiko, der Ort Berlin ist dafür bei aller Beachtung vorhandener Kriminalität wohl in dieser Form für solche Schilderungen kaum geeignet.
Wie eingangs bemerkt, hat Giovinazzo wahrscheinlich durchaus das Zeug gute Krimis beispielsweise im Gangstermilieu zu schreiben. Hier hat er es aber mangels sinnvoller Handlung und dem übertriebenen Gemetzel nicht geschafft. Weniger ist eben manchmal auch mehr. Und der Schluß der Geschichte? Was soll das bedeuten? Ich habe es jedenfalls nicht so richtig begreifen können...
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