Giovinazzo versteht es sehr gut, dem Milieu angepasste realistische Dialoge zu produzieren und handelnde Personen anschaulich zu beschreiben. Er hätte es sicherlich drauf,mit dieser Gabe wirklich gute Bücher zu schreiben. Mit dem vorliegenden Werk ist ihm das jedoch nicht gelungen.
Sicherlich, es ist an einigen Stellen recht amüsant zu lesen, wie aus Sicht eines US-amerikanischen Gangsters Berlin in den Jahren nach dem Fall der Mauer beschrieben wird. Die sich darum windende Story um die Einflussnahme krimineller Organisationen auf Bauprojekte am Potsdamer Platz ist jedoch einerseits zu seicht, andererseits in dieser Art überzogen und es fehlt ihr einfach ein vernünftiges Gerüst. Da reicht es schlichtweg nicht aus, Staub und Dreck an der riesigen Baustelle zu beschreiben und wie man mal schnell einem Haufen türkischer Arbeiter den Lohn kürzen will, um mehr Profit herauszupressen. Ohne daraus gleich einen Wirtschaftskrimi zu machen, hätte Giovinazzo diese Dinge ein bißchen tiefgründiger angehen sollen, hier wäre mehr drin gewesen. Man merkt zu deutlich, dass die ganze Geschichte zu simpel konstruiert und zumindest von einem einigermaßen realitätsnahen Korsett weit entfernt ist.
Das extreme Gemetzel und Abschlachten zwischen ansässiger Türken- und Russenmafia auf der einen und der ins Geschäft drängenden amerikanischen Mafia auf der anderen Seite wird allerdings maßlos übertrieben. Damit meine ich nicht die Beschreibung einiger Brutalitäten, so schlimm und oft wird das Ganze eigentlich gar nicht dargestellt. Wer grundsätzlich nichts über Brutalität lesen möchte, sollte sich einfach mit anderer Literatur beschäftigen. Aber selbst wenn die Handlung in den USA spielen würde, hätte man seine berechtigten Zweifel ob der Menge an Morden und deren problemloser Vertuschung, der beinahe offenen Bewegung der Banden in der Öffentlichkeit. Das erinnert schon eher an die Drogenkriege in Mexiko, der Ort Berlin ist dafür bei aller Beachtung vorhandener Kriminalität wohl in dieser Form für solche Schilderungen kaum geeignet.
Wie eingangs bemerkt, hat Giovinazzo wahrscheinlich durchaus das Zeug gute Krimis beispielsweise im Gangstermilieu zu schreiben. Hier hat er es aber mangels sinnvoller Handlung und dem übertriebenen Gemetzel nicht geschafft. Weniger ist eben manchmal auch mehr. Und der Schluß der Geschichte? Was soll das bedeuten? Ich habe es jedenfalls nicht so richtig begreifen können...