Das vorliegende Buch "Posttraumatische Belastungsstörung" ist eine erweitere Auflage des vorhergegangenen Buchs "Therapie der posttraumatischen Belastungsstörungen", welches 1997 erstmals und 2003 in einer ergänzten Auflage erschien. Es richtet sich aus meiner Sicht deutlich eher an Fachleute als an Betroffene, jedoch durchaus auch an Laien. Selbst Betroffene wollen gewöhnlich vor allem ihre eigene Traumatisierung verstehen oder allgemein die Mechanismen von Traumatisierungen. Noch mehr gelegen ist ihnen jedoch in der Regel an Übungen und Denkweisen, mit denen sie sich selbst helfen können. Das von Andreas Maercker herausgegebene Buch erfüllt diese Wünsche eher weniger, auch wenn es sicher einige Anregungen geben kann.
Das Buch gliedert sich in die drei großen Teile "Grundlagen", "Therapie" und "spezielle Aspekte". Diese 3 Bereiche umfassen zusammen insgesamt 28 Kapitel, die jeweils sehr kurz gehalten sind. Auf jede Facette wird nicht tiefereigehend eingegangen, sondern Ziel des Buchs war es offenbar viel mehr, einen möglichst breiten Überblick über den derzeitigen Stand zu geben.
Mit insgesamt 42 verschiedenen Autoren ist der Kreis der Beitragsschreiber relativ groß. Dabei fällt auf, dass die Beiträge jeweils von Autoren geschrieben wurden, die für das jeweilige Thema besonders prädistiniert waren. So wurde etwa der Beitrag über die psychodynamisch imaginative Psychotherapie (PITT) von Luise Reddemann geschrieben, die diese Therapieform entwickelt hat. Die klassische EMDR-Therapie mit dem Standardprotokoll wird von Thomas Schubbe vorgestellt, der Mitbegründer des Instituts für Traumatherapie in Berlin war und dort als EMDR-Ausbilder tätig ist.
Durch diesen sehr breit gefächerten Überblick wird bei den einzelnen Themen natürlich sehr an der Oberfläche geblieben. Ich will es anhand des bereits erwähnten EMDR-Kapitels von Thomas Schubbe verdeutlichen, da ich gerade von EMDR nicht wenig Ahnung habe. Der Autor erklärt in seinem Beitrag das sehr konfrontative EMDR-Standardprotokoll. Das es auch andere und weniger konfrontative Techniken mit EMDR gibt, wird überhaupt nicht erwähnt. Das EMDR auch zur Ressourcenarbeit (wie z. B. zum Verstärken von Imaginationen) verwendet werden kann und dort sehr hilfreich ist, wird lediglich im Ausblick des Kapitels mit drei Sätzen erwähnt.
Das Ziel des Buchs, einen breiten Überblick zu geben, gelang jedoch sehr gut. Jedes Kapitel beginnt nochmals mit einer Übersicht über die (zahlreichen) Unterkapitel des Kapitels. Auch sonst lässt die Struktur des Buchs nichts zu wünschen übrig.
Auch wenn man sich nur für eine bestimmte Art von Therapie oder Traumatisierung interessiert, kann das Buch sehr hilfreich sein (Sofern man es im Hinblick auf den Preis in einer Bibliothek ausleihen kann). Denn wie bereits erwähnt, wurde jeder Beitrag je von einem Autor verfasst, der wirklich etwas vom entsprechenden Gebiet verstand.