unter dem eindruck des 11. september 2001 schrieb die FR, die POSTMODERNE sei samt ihrer "unerträglichkeit des selbstgenügsamen unernstes vorbei"; das gegenargument formulierte der londoner terrorismus-experte lawrence freedman, indem er behauptete, die attacken auf symbol-architekturen seien eine typisch postmoderne strategie. roger behrens versucht in seinem 95-seitigen aber ungeheuer inhaltsreichen büchlein genauestens abzustecken, welche strukturen postmodern sind und welche nicht. "freiheit, verschiedenheit, toleranz ist die waffenstillstandsformel der postmoderne" zitiert er zygmunt baumann, einen führenden vertreter postmoderner reflexion. ja, das wäre ja schön, wenn derlei einsichten auch in den momentan krieg-führenden lagern ankämen. ideologische großkonzepte würden entlarvt und an ihre stelle träten individualisierung, life-style-entwicklung, kunst-genuss und inszenierung der eigenen körperlichkeit. KUNST sei vom sockel der hochkultur herabgestoßen worden und durchdringe als jedem zugängliches medium das gegenwarts-bewusstsein: ob film oder architektur, versace oder lagerfeld, möbelkauf oder musik-download. das klingt optimistisch. eine eher düstere variante liefert die verstorbene gallionsfigur der französischen postmodernen philosophie: michel foucault. für ihn ist in den modernen gesellschaften überall wirksam "eine versteckte, alles durchdringende zurichtungs- und anpassungsgewalt". arbeitsrechtliche, medizinische und sprach-klischee-artige normen stellten einen menschen her, der durch unterwerfungs-mentalität und schizophrenie gekennzeichnet sei. demnach wären mobbing, langzeit-arbeitslosigkeit oder migrations-erschwerung nur die mikrosoziologie eines globalen konfliktes, der sich in terroristischen attacken und langjährigen, staatlich finanzierten militär-antworten derzeit global hochschaukelt. geht man den physikalisch-nüchternen thesen des französischen philosophen paul virilio nach, so geschieht dies alles einfach nur mit immer höherer geschwindigkeit - sei es waffentechnisch oder informations-technisch gesehen. wendet man den blick jedoch noch einmal ab von der technik-gestützen hardware-entwicklung (vom flugroboter bis zum dvd-recorder durchaus imponierend) und untersucht stattdessen die evolution der symbole, stellt sich eine durchaus versöhnlichere beurteilung ein. roger behrens erwähnt die IRONIE als wesentliche ("dekonstruktive") methode. in einem eigenen kapitel geht er dem phänomen LEARNING FROM CINEMA nach. da fallen mir ein: ICE AGE oder SHREK oder: DIE UNGLAUBLICHEN. vielleicht gelingt es dem postmodernen und post-post-modernen menschen, im konsens eines versöhnenden schmunzelns humanität zu bewahren, statt sie vollends aufzureiben. das buch des gegenwarts-philosophen roger behrens ist ein kleiner, sehr hilfreicher baustein dazu.